Krisenregion : Uno will sich stärker um den Irak kümmern

Vier Jahre nach dem verheerenden Anschlag auf die UN-Mission in Bagdad wollen die Vereinten Nationen sich wieder stärker im Irak engagieren. Die Affäre um die US-Söldnerfirma Blackwater weitet sich aus.

New York/Washington"Ich denke darüber nach, das UN-Team im Irak zu verstärken", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach Beratungen mit den ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats und den acht Nachbarländern des Iraks in New York. "Es herrschte Einigkeit darüber, dass die internationale Gemeinschaft sich nicht vom Irak abwenden kann", sagte Ban. Viele Teilnehmer der Gespräche hätten die "Schlüsselrolle" der Vereinten Nationen bei der Förderung der "nationalen Versöhnung" hervorgehoben, sagte Ban. Möglicherweise werde ein UN-Büro im südirakischen Basra eingerichtet. Der französische Außenminister Bernard Kouchner schlug vor, von vergleichsweise ruhigen Regionen wie dem Norden aus die gesicherten Gebiete auszuweiten und "für den Wiederaufbau den Weg freizumachen".

Bei einem Sprengstoffanschlag auf die UN-Mission in Bagdad waren am 19. August 2003 insgesamt 22 Menschen getötet worden, darunter der UN-Sondergesandte Sergio Vieira de Mello. Daraufhin zog sich die Uno weitgehend aus dem Irak zurück. Derzeit sind noch 95 UN-Vertreter dort im Einsatz, davon 65 in Bagdad und 30 in Erbil in der Kurdenregion. Weitere 235 Mitarbeiter der Uno kümmern sich von Jordanien und Kuwait aus um den Irak.

Waffenschmuggelverdacht gegen Blackwater

Die US-Regierung nahm nach Medienberichten Ermittlungen wegen Waffenschmuggels gegen das umstrittene Unternehmen Blackwater auf. Ermittler prüfen, ob die Sicherheitsfirma Blackwater Schnellfeuerwaffen, Nachtsichtgeräte und Geschütze ohne eine entsprechende Genehmigung in den Irak geliefert und dort auf dem Schwarzmarkt verkauft habe, berichteten die US-Zeitungen "Washington Post" und "The News & Observer" unter Berufung auf das Umfeld der Ermittler am Samstag. Die Waffen könnten so auch in die Hände von Terroristen gelangt sein. Die Ermittlungen, die derzeit vom Büro des Staatsanwalts in Raleigh am Sitz von Blackwater in North Carolina geleitet werden, hätten bereits ausreichend Beweise für eine Anklage ergeben, geht aus den Zeitungen hervor.

Laut "The News & Observer" haben sich zwei frühere Blackwater-Mitarbeiter schuldig bekannt, unerlaubt Waffen und militärische Ausrüstung verkauft zu haben. Die beiden würden nun mit den Behörden, die den Fall untersuchten, kooperieren. Auch werde geprüft, ob Blackwater dutzende Schnellfeuerwaffen auf dem Übungsgelände in Moyock im US-Bundesstaat North Carolina ohne eine entsprechende Genehmigung nutze. Blackwater stritt die Vorwürfe in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung ab. "Die Behauptungen, nach denen Blackwater in irgendeiner Form an dem Verkauf illegaler Waffen beteiligt war, sind unbegründet", hieß es in der Mitteilung. Die zwei von der Justiz verfolgten Mitarbeiter seien sofort entlassen worden. Blackwater forderte die Behörden auf, "gründliche Untersuchungen" vorzunehmen.

Umstrittener Zwischenfall in Bagdad

Wachleute von Blackwater, das unter anderem für den Personenschutz an der US-Botschaft in Bagdad zuständig ist, hatten vor einer Woche bei einem Zwischenfall in der irakischen Hauptstadt Augenzeugen zufolge wahllos um sich geschossen und zehn Menschen getötet, darunter neun Zivilisten. Blackwater erklärte anschließend, seine Mitarbeiter seien angegriffen worden. Nach Angaben eines irakischen Polizeivertreters liegt dem irakischen Innenministerium ein Video vor, das wenige Minuten nach der Schießerei gedreht wurde. "Die Mitarbeiter von Blackwater haben ohne Grund das Feuer auf Autofahrer eröffnet", sagte der Offizier, der nicht genannt werden wollte. (mit AFP)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben