Kristina Schröder : Eine Frau im politischen Abseits

Politik gegen die Mehrheitsmeinung zu machen, ist schwierig. Vor allem, wenn man Ministerin ist. Trotzdem hält Kristina Schröder auch in ihrem Familienressort an ihrem Leitsatz fest: „Emanzipiert sind wir selber“.

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Sie macht den Job. Aber niemandem macht sie es recht. Kristina Schröders Pech ist, dass ihr Familienressort zum Schlachtfeld gesellschaftlicher Großdebatten geworden ist.
Sie macht den Job. Aber niemandem macht sie es recht. Kristina Schröders Pech ist, dass ihr Familienressort zum Schlachtfeld...Foto: dpa

Ein bisschen bemüht wirkt es schon, als Kristina Schröder oben auf dem Podium den Kopf schief legt, die Mundwinkel nach oben zieht und so gut gelaunt wie möglich aussehen will. Es sind ja auch viele Kameras auf sie gerichtet. Unten, mitten im überfüllten Saal, sind fünf Frauen aufgestanden und fangen laut ein Lied an zu singen. Sehr laut.

Dabei geht es in dem früher einmal schwer angesagten Club im Szenebezirk Prenzlauer Berg um das neue Buch der Familienministerin. Es könnte einer dieser üblichen Debattenabende werden mit aalglatten Sätzen, Freundlichkeiten und Argumenten, die man schon beim Zuhörern wieder vergisst. Doch gewöhnlich ist an diesem Abend fast gar nichts. Nicht der Keller mit den unverputzten Ziegelwänden in der ehemaligen Backfabrik, nicht die jungen Frauen und feministischen Bloggerinnen im Publikum, nicht der Verlauf der Diskussion und schon gar nicht das Buch, das die 34-jährige Ministerin gemeinsam mit Ko-Autorin Caroline Waldeck geschrieben hat. „Danke, emanzipiert sind wir selber“ heißt es. Auf dem Cover stemmt die Politikerin frech die Hände in die Hüften. Es ist, wenn man das so sagen kann, eine ziemlich laute Geste.

Aber die, die sich da plötzlich erheben, sind noch lauter. Zur Melodie von „Das bisschen Haushalt“ schmettert der Frauenchor einen Text, der Schröders Politik verhöhnt: „Unsere Kinder erziehen wir daheim, vielen Dank“, singen die Frauen: „In eine Kita kommen sie nicht rein, vielen Dank“. Stattdessen, so heißt es in Anspielung auf das Betreuungsgeld weiter, gebe es bald 150 Euro „Herdprämie“: „Dafür haben wir Frau Schröder lieb.“

Kaum ist der letzte Ton verklungen, entert ein Reporter der Satiresendung „Extra 3“ die Bühne und überreicht der Politikerin eine goldene Schürze. So weit spielt Kristina Schröder noch mit. Doch dann lässt sie das Geschenk schnöde auf den Boden gleiten. Es fehlt nicht viel, und sie tritt es mit Füßen.

Häme, das ist die Reaktion, die Schröder derzeit hervorruft. Ihre Streitschrift wird vor allem als Attacke auf den Feminismus gelesen. Die Opposition tobt, die meisten Kritikerinnen verreißen das Werk. Schröder selbst verteidigt es als Auseinandersetzungen nicht nur mit dem dogmatischen Alt-Feminismus, sondern auch mit jenen Konservativen, die berufstätige Frauen mit kleinen Kindern als Rabenmütter verächtlich machen. Konservative Politiker, gar solche der Union, kommen darin freilich nicht vor.

Von den meisten anderen Büchern aktiver Politiker unterscheidet sich das 200-Seiten-Werk in einer Hinsicht deutlich: Die Autorin versteckt ihre Meinung nicht hinter Floskeln und unangreifbaren Formulierungen. Und an manchen Stellen wird sie auch sehr persönlich, etwa, wo sie über die Last berichtet, als junge Mütter mit der Zudringlichkeit von Menschen umzugehen, die von ihr die Erfüllung einer ganz bestimmten Rolle verlangen. Sie aber verweigert sich der Zumutung, ein bestimmtes Frauen- oder Familienbild vorzuleben.

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