KRITIK AM BERICHT : Goldstone antwortet

Der südafrikanische Richter Richard Goldstone wehrt sich gegen den Vorwurf, der Bericht sei voreingenommen gegenüber Israel. Goldstone betont in einem halbstündigen Interview mit dem US-Sender PBS, er selbst sei ein starker Kritiker des UN-Menschenrechtsrates, der in der Tat in der Vergangenheit oft missbraucht worden sei, um Israel an den Pranger zu stellen. Doch sein Mandat, eventuelle Verletzungen humanitären Rechts auf beiden Seiten zu untersuchen, sei ausgewogen und damit ein „Neuanfang“. Goldstone fordert Israel, das jede Mitarbeit an dem Bericht ablehnte, auf, zu den konkreten Vorwürfen in dem Bericht Stellung zu nehmen. „Ich würde mir eine inhaltliche Antwort wünschen, vor allem zu den Angriffen auf die Infrastruktur Gazas, die mir absolut ungerechtfertigt erscheinen“, sagte Goldstone. Das Argument des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu, es habe sich um Selbstverteidigung gehandelt, lässt Goldstone nicht gelten. „Das ist keine Antwort“ und zeige „mangelndes Verständnis für das Konzept des internationalen humanitären Rechts“, meint Goldstone, der betont, dass Israel natürlich das Recht habe, sich gegen Angriffe zur Wehr zu setzen. Der Mann, der sich selbst als Zionist bezeichnet, wehrt sich auch gegen den Vorwurf, er sei ein Verräter, weil er als Jude Kritik an Israel übe. „Jude zu sein bedeutet für mich nicht, Israel außergewöhnlich zu behandeln.“ Anders als Netanjahu sieht Goldstone nicht in dem Bericht ein Hindernis auf dem Weg zu Frieden, sondern im Gegenteil darin, dass ernsthafte Menschenrechtsverletzungen ignoriert werden.
Es könne keinen dauerhaften Frieden geben, wenn in der betroffenen Bevölkerung Wut und Rachegefühle vorherrschten, weil niemand offiziell ihr Leid und das geschehene Unrecht anerkennt, meint Goldstone angesichts seiner Erfahrungen in Ruanda und Südafrika. an

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