Kritik am Ernährungsministerium : Diabetes-Gesellschaft fordert Zuckersteuer

Diabetes-Experten fordern eine Zuckersteuer. Gleichzeitig kritisieren sie das Ernährungsministerium

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Süß und unschuldig? Gummibärchen und andere Süßwaren sollen mit einer Zuckersteuer belegt werden, fordern Präventionsexperten.
Süße Gefahr? Gummibärchen und andere Süßwaren sollen mit einer Zuckersteuer belegt werden, fordern Präventionsexperten..Foto: Imago

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DGG) hat das Ernährungsministerium wegen dessen Absage an politische Maßnahmen zur Senkung des Zuckerkonsums in Deutschland kritisiert. Gleichzeitig forderte die Fachgesellschaft eine Steuer auf Lebensmittel mit hohem Zuckergehalt.

Die Diabetes-Experten unterstützen mit ihrer Forderung den Appell des AOK-Bundesverbandes an die Politik, endlich etwas gegen den hohen Zuckerkonsum der Deutschen zu unternehmen. Dem „Tsunami der chronischen Krankheiten“ sei nur mit bevölkerungsweiten Präventionsmaßnahmen begegnen, teilten sie mit. „Zu diesen Maßnahmen gehört eine Steuer auf Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett,- und Salzanteil, während gleichzeitig gesunde Lebensmittel steuerlich entlastet werden sollten.“ Zudem seien „eine tägliche Stunde Sport in Kita und Schulen“, verbindliche Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kitas und Schulen sowie ein Werbeverbot für Kinderlebensmittel nötig.

"Wessen Interessen vertritt das Ministerium?"

Scharfe Kritik übte die DGG an der ablehnenden Haltung des Ernährungsministeriums. Mit der Äußerung gegenüber dem Tagesspiegel, dass man eine politische Steuerung des Konsums für „vermeintlich ungesunde Lebensmittel“ ablehne, stelle sich das Ministerium gegen die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), den Zuckerkonsum deutlich zu senken, sagte DGG-Geschäftsführer Dietrich Garlichs. Diese Positionierung werfe die Frage auf, wessen Interessen das Ernährungsministerium eigentlich vertrete, sagte Garlichs.

In der internationalen Diskussion sei es unstrittig, dass der zu hohe Konsum von Zucker, aber auch von Fett und Salz dringend zu reduzieren sei. Neben Rauchen, Alkoholkonsum und körperlicher Inaktivität stelle die heutige Ernährung eine der Hauptursachen für die nichtübertragbaren Krankheiten wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Krebs und Atemwegskrankheiten dar.

Zahlreiche Länder besteuern Zucker und Fett

Länder wie Ungarn, Finnland, Frankreich und Mexiko hätten bereits differenzierte Lebensmittelsteuern eingeführt, argumentiert die Diabetes-Gesellschaft. Und auch in Dänemark habe eine Fettsteuer, die aus koalitionspolitischen Gründen wieder abgeschafft worden sei, den Konsum fetthaltiger Produkte um 10 bis 20 Prozent verringert..

Wie erfolgreich Preissignale sein können, hätten aber auch die Erfahrungen mit Tabaksteuererhöhungen in Deutschland gezeigt. Erst durch sie habe sich der Anteil rauchender Jugendlicher halbiert. Und die so genannten Alkopops verschwanden seien nach Einführung einer Steuer praktisch vom Markt.

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