Politik : Kritik unerwünscht

Die Deutschen in Togo gelten als Freunde der Opposition – und sind plötzlich Ziel von Angriffen

Christoph Link[Nairobi]

Wenn der verstorbene Diktator Togos, Gnassingbé Eyadema, eine Tauwetterphase einleitete und dann wieder zu brutaler Repression griff, pflegten westliche Diplomaten in Togo zu sagen, das Regime habe wieder einmal „seine Maske fallen lassen“. Genau in derselben Situation befindetsich nun der Nachfolger und Sohn des Diktators, Faure Gnassingbé. Von dessen „neuer Ära“ für Togo ist vier Tage nach seiner Erklärung zum Wahlsieger nichts zu sehen. Im Gegenteil, der Polizeistaat geht brutal gegen seine Bürger vor und schießt scharf auf Demonstranten. Mindestens 30 Menschen starben seit dem Wahlsonntag. Und auch die Deutschen in Togo sind offenbar ins Visier des Regimes geraten: In der Nacht zum Freitag wurde das deutsche Goethe-Institut angegriffen und niedergebrannt; der Leiter der Einrichtung hatte zuvor mehrfach Drohungen erhalten. In Lomé wurden zudem diffamierende Flugblätter über den deutschen Botschafter in Umlauf gebracht.

Die Handschrift des Anschlags auf das deutsche Kulturinstitut deutet auf eine organisierte Aktion hin, in die auch offizielle Stellen verstrickt sein dürften. Die Afrikabeauftragte des Auswärtigen Amtes, Dorothee Janetzke-Wenzel, bemüht sich derzeit in Lomé mit der togoischen Regierung und den Vertretern Frankreichs und den USA um eine Entschärfung der Situation. Im Auswärtigen Amt in Berlin wurde unter Leitung von Staatssekretär Jürgen Chrobog ein Krisenstab eingerichtet. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) forderte die togoische Regierung am Samstag auf, die in Togo lebenden Deutschen und deutsche Einrichtungen wirksam zu schützen. Fischer äußerte sich auch zu den Flugblättern über den deutschen Botschafter Klaus Günther Grohmann. Die von einigen Gruppen offenbar betriebene „antideutsche Hetze und die inakzeptablen Verleumdungen“ gegen den deutschen Botschafter müssten umgehend unterbunden werden, sagte Fischer. Die Flugblätter waren nur wenige Stunden nach dem Anschlag auf das Goethe-Institut in Lomé aufgetaucht. Eine der Hetzschriften war mit dem Titel überschrieben: „Die Nazi-Vergangenheit des deutschen Botschafters kehrt im Galopp zurück.“

Nach Aussagen eines Wachmannes waren die Männer, die in der Nacht zum Freitag in das Goethe-Institut eindrangen zwar zivil gekleidet, doch der Augenzeuge berichtete dem französischen Radiosender RFI auch, dass sie Angriffsgewehre bei sich trugen und sich mit Strumpfmasken geschützt hätten. Sie hätten mehrfach auf das Institut geschossen und es dann in Brand gesetzt. Oppositionskräfte oder marodierende Jugendliche der Armenviertel kommen als Täter kaum in Frage, denn sie sind allenfalls mit Knüppeln oder Macheten ausgestattet, über Gewehre verfügen sie aber nicht. Auch liegt das Goethe-Institut im Stadtzentrum von Lomé, dass von der in Togo bestens gerüsteten Armee und Polizei kontrolliert wird.

Hintergrund des Angriffs könnte sein, dass die Deutschen im Gegensatz zu Frankreich als scharfe Kritiker der togoischen Regierung gelten. Der fristlos entlassene Innenminister François Esso Boko suchte Zuflucht in der deutschen Botschaft, als er um sein Leben fürchtete. Dort wartet er nun auf eine Ausreisemöglichkeit. Konkret wirft die Regierung in Lomé Deutschland vor, sich nach der Präsidentenwahl am vergangenen Sonntag auf die Seite der Opposition gestellt zu haben. Die Opposition und ihr Kandidat Emmanuel Akitani Bob erkennen den von der Regierung verkündeten Wahlsieg von Faure Gnassingbé nicht an. Akitani Bob erklärte sich selbst zum Sieger der Wahl.

Die UN warnten am Freitag davor, dass das westafrikanische Land in einen Bürgerkrieg „abgleite“, wie der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, sagte. Aus zahlreichen Landesteilen gebe es Berichte über „wahllose Gewalt gegen Zivilisten“.

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