Politik : Kritik von allen Seiten an Kindergeldplan der Union

Berlin - Die Pläne der Union für einen Kindergeldaufschlag gehen nach Einschätzung von Sozialverbänden nicht weit genug. „Die von der Union vorgeschlagene Erhöhung des Kindergeldes für das erste und zweite Kind um zehn Euro reicht nicht, um die Inflation seit der letzten Kindergelderhöhung 2002 auszugleichen. Hierzu wären 18 Euro notwendig“, erklärte Caritas-Generalsekretär Georg Cremer in Berlin. Da bei Beziehern von Arbeitslosengeld II das Kindergeld auf die Regelleistung angerechnet werde, könnten sie davon gar nicht profitieren. Der Familienbund der Katholiken forderte eine Erhöhung des Kindergeldes auf 300 Euro für jedes Kind. Im Übrigen brauchten wegen der Preissteigerungen alle Familien eine deutliche finanzielle Entlastung.

Der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Johannes Singhammer (CSU), hatte vorgeschlagen, für das erste und zweite Kind 10 Euro mehr als bisher zu zahlen, für das dritte Kind 20 Euro und ab dem vierten Kind 50 Euro.

Kritik kam auch vom Koalitionspartner und von der Opposition. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, als Vater von sechs Kindern müsste auch Singhammer wissen: „Für das erste und zweite Kind müssen Eltern mindestens genauso viel Geld aufwenden wie für das dritte oder vierte.“ Deshalb gehe der Vorschlag an der Lebensrealität der meisten Familien vorbei. Die FDP-Familienpolitikerin Ina Lenke sprach von einem Wahlkampfmanöver, zehn Euro mehr nützten Familien gar nichts. Die Linken-Abgeordnete Diana Golze sieht in einer Staffelung eine Benachteiligung für die allermeisten Familien: Nur jedes zehnte Kind in einer Familie mit drei und mehr Kindern.dpa

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