Politik : Kritiker der Globalisierung in Kenia

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Nairobi/Berlin - Mit einer Demonstration vom größten Slum Ostafrikas, Kibera, in die Innenstadt der kenianischen Hauptstadt Nairobi begann am Samstag das siebte Weltsozialforum. Es findet zum zweiten Mal in Afrika statt. Im vergangenen Jahr fanden zwei Weltsozialforen statt: in Bamako (Mali) und in Caracas (Venezuela). Zudem war ein drittes Treffen in Karachi (Pakistan) geplant, das aber nach dem verheerenden Erdbeben in Kaschmir im Oktober 2005 abgesagt worden war.

Bei der Kundgebung im Uhuru-Park, dem Unabhängigkeitspark, sagte Kenneth Kaunda, der erste Präsident Sambias, vor etwa 10 000 Menschen: „Dies ist eine ungeheuer wichtige Veranstaltung. Wir bekämpfen die Armut, die Unwissenheit, die Korruption und die Ausbeutung.“ Bis zum 25. Januar werden in Nairobi bis zu 100 000 Teilnehmer aus aller Welt erwartet. Auch der südafrikanische Bischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu soll dabei sein.

Das Weltsozialforum versteht sich als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos, der direkt im Anschluss beginnt. Edward Oyugi vom kenianischen Organisationskomitee sagte der evangelischen Nachrichtenagentur, die Regierungschefs und Wirtschaftsführer in Davos sollten an die sozialen Folgen ihrer Politik erinnert werden. „Aus afrikanischer Sicht heißt das: Wenn ihr über die Aufhebung der Grenzen für Güter fabuliert, dann macht die Grenzen gefälligst auch für Menschen durchlässig.“

Die kenianische Tourismusindustrie freut sich über den Besuch der Globalisierungskritiker, die in einem Fußballstadion tagen, das nach dem früheren diktatorischen Staatschef Daniel arap Moi benannt ist. Allerdings sind die Reisenden in Sachen Globalisierungskritik für die Hotels kein besonders gutes Geschäft. Ein Großteil der Gäste kommt auf einem improvisierten Campingplatz unter. Zudem haben 35 000 Familien in Nairobi sich bereit erklärt, für 35 US-Dollar Gäste bei sich aufzunehmen, berichtet die Tageszeitung „Daily Nation“. Der Mobilfunkanbieter Celtel gibt an alle Delegierten kostenlose Sim-Karten für Mobiltelefone aus. Schon am Freitagabend wurden sie mit einem Konzert der südafrikanischen Sängerin Yvonne Chaka Chaka empfangen.

Zum Ende der Veranstaltung will die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai mit den Teilnehmern 100 000 Bäume pflanzen. Paul Tergat, der seinen Weltrekord im Marathon 2004 in Berlin gelaufen ist, und seine Kollegin Catherine Ndereba haben zudem einen Friedenslauf angekündigt. deh/AFP

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