Politik : Kritikerin des Kreml ermordet

Claudia von Salzen

Berlin/Moskau - Die russische Journalistin Anna Politkowskaja ist in Moskau ermordet worden. Sie sei am Samstagnachmittag in ihrem Wohnhaus erschossen aufgefunden worden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax. Politkowskaja gehörte zu den bekanntesten Kritikern des Tschetschenien-Krieges und des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Seit dem Beginn des zweiten Tschetschenien-Krieges 1999 fuhr die Reporterin der oppositionellen Zeitung „Nowaja Gaseta“ immer wieder in die russische Kaukasus-Republik. Sie berichtete selbst dann noch über den Krieg, als die meisten ihrer Kollegen das aus Sorge um ihre Sicherheit längst aufgegeben hatten. Ihr Augenmerk galt immer dem Leid der Zivilbevölkerung. Sie griff das Vorgehen der russischen Regierung in Tschetschenien scharf an und dokumentierte Menschenrechtsverletzungen durch russische Truppen. Mit ihrer leidenschaftlichen Berichterstattung über den Krieg im Kaukasus machte sie sich auch im Westen einen Namen.

Wegen ihrer Arbeit wurde die Journalistin angefeindet und bedroht. Sie war sich der Risiken bei ihren Reisen nach Tschetschenien sehr wohl bewusst. Als sie über ein sogenanntes „Filtrationslager“ in der Kaukasus-Republik berichten wollte, wurde sie selbst von russischen Truppen festgenommen und stundenlang verhört. In einem ihrer Bücher beschrieb die Journalistin später, wie Offiziere drohten, sie zu erschießen. Bei der Geiselnahme im Moskauer Musical-Theater „Nord-Ost“ durch tschetschenische Terroristen 2002 wagte sie sich als Vermittlerin in das Gebäude. Auch über das Geiseldrama von Beslan wollte sie berichten. Doch auf dem Flug dorthin zog sie sich unter rätselhaften Umständen eine Vergiftung zu. Mit Anna Politkowskaja verliert Russland seine profilierteste kritische Stimme.

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