Politik : Kroatiens Innenminister tritt zurück

Ex-General muss ins UN-Gefängnis Den Haags

Thomas Roser

Belgrad - Eigentlich hätte der kroatische Ex-General Mladen Markac seinen Prozess vor dem UN-Kriegsverbrecher-Tribunal im Hausarrest abwarten dürfen. Stattdessen machte er sich zur Jagd auf, in Begleitung von Innenminister Ivica Kirin. Der Ausflug kostete den Minister seinen Job und brachte den Angeklagten ins UN-Gefängnis in Den Haag.

Am Wochenende entschuldigte sich der in Bedrängnis geratene Hobbyjäger bei allen, denen der „Fall General Markac“ geschadet habe. Kroatiens Innenminister Ivica Kirin kündigte am Samstag seinen Rücktritt an. Der vor Weihnachten publik gewordene Jagdausflug des Würdenträgers mit dem vom UN-Tribunal wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagten Mladen Markac war für Kroatiens Regierung mehr als peinlich. Ausgerechnet der Innenminister war für die Einhaltung der Auflagen für den Hausarrest des 52-jährigen Ex-Generals verantwortlich.

Während des Kroatienkriegs von 1991 bis 1995 machte Markac bei der Spezialpolizei Karriere und war an der Planung und Ausführung zur Rückeroberung der serbisch besetzten Krajina beteiligt. Die Anklage des UN- Tribunals wirft Markac vor, die Vertreibung von Zehntausenden kroatischer Serben aus der Krajina angestrebt zu haben. Dabei habe er die Ermordung von Zivilisten, die Plünderung und Zerstörung serbischer Häuser gebilligt und die begangenen Verbrechen vertuscht. Im März 2004 stellte sich Markac freiwillig dem Tribunal, wurde aber im Februar 2007 bis zum Beginn seines Prozesses unter Auflagen vorläufig freigelassen. Er erklärte sich bereit, seinen Pass beim Innenministerium abzugeben, Zagreb nicht zu verlassen und sich wöchentlich bei der Polizei zu melden. Kroatiens Regierung verpflichtete sich, durch regelmäßige Stichproben den Hausarrest durch Beamte zu kontrollieren.

Darum waren heimische Medien verwundert, als auf den am 24. Dezember veröffentlichten Fotos der alljährlichen Weihnachtstreibjagd in Virovitica neben den erlegten Keilern Innenminister Kirin und Haushäftling Markac in die Kamera- linsen strahlten. Der Verstoß gegen die Auflagen des UN-Tribunals bescherte Markac am Wochenende die sofortige Rücküberführung in das UN-Gefängnis im niederländischen Scheveningen. Sein Jagdfreund Kirin räumte seinen Ministerposten. Thomas Roser

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