Politik : Kronen auf Kredit?

Cordula Eubel

Berlin - Die deutschen Zahnärzte wollen künftig auch als Kreditvermittler auftreten. Wenn ein Patient sich den Zahnersatz nicht leisten kann, soll er nach den Vorstellungen des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ) einen Kredit aufnehmen können. Dafür hat der Verband nach Angaben eines Sprechers eine eigene Finanztochter gegründet, die mit der DSL-Bank kooperiert. „Wir wollen verhindern, dass Patienten aus Geldnot auf nötige Behandlungen verzichten“, sagte FVDZ-Präsident Wilfried Beckmann der „Bild“-Zeitung.

Empört reagierten Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) auf die Pläne. Zahnärztepräsident Jürgen Weitkamp sagte, die Rolle des Zahnarztes als Finanzmakler sei „undenkbar“. Ein solches Vorhaben sei mit dem Ethos eines Heilberuflers nicht zu vereinbaren. Auch nach Ansicht des KZBV-Vorsitzenden Jürgen Fedderwitz ist die Botschaft „vollkommen unpassend und überflüssig“. Ab dem nächsten Jahr wird es für den Zahnersatz neue Festzuschüsse geben, die sich nach dem Befund des Zahnarztes richten. Nach KZBV-Angaben werden Patienten damit in 90 Prozent der Fälle aber nicht höher belastet als bisher. Mit der Kreditofferte, so fürchtet Fedderwitz, werde nur die Angst der Patienten vor der neuen Zahnersatzregelung geschürt.

Beim AOK-Bundesverband vermutet man, dass die Zahnärzte mit Hilfe der Kredite vielleicht „mehr Umsatz generieren“ wollten. Dies wäre der Fall, wenn künftig mehr Patienten teureren Zahnersatz wählen. Über Provisionen sollten die Zahnärzte aber nicht an den Krediten beteiligt werden, sagte ein FVDZ-Sprecher. Der Verband vertritt bundesweit jeden zweiten der rund 50 000 niedergelassenen Zahnärzte.

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