Kronprinz von Abu Dhabi : "Sie haben unsere Religion gekidnappt"

Abu Dhabi soll ein "kulturelles Weltklasseziel" werden. Das will Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan. Bildung und Erziehung sieht er als Waffe gegen engstirningen Fanatismus. Ein Porträt.

Martin Gehlen
Scheich
Hat Visionen: Der Kronprinz von Abu Dhabi. -Foto: dpa

KairoDer Scheich hat Visionen. Und er hat das nötige Geld. "Wir wollen aus Abu Dhabi eine kulturelles Weltklasseziel machen - für seine Bewohner und seine Besucher", erklärte er bei der Unterzeichnung des millionenschweren Kooperationsvertrags mit der Guggenheim Stiftung in New York. 2012 soll auch Louvre Abu Dhabi fertig sein, der arabische Schwestercampus der Pariser Sorbonne arbeitet bereits. Die Filiale der New York University wird die erste Hochschule sein mit einem vollen geisteswissenschaftlichen Fächerkanon. Ihren Platz finden sollen die ganzen Kulturjuwelen auf der Insel Saadiyat, durch eine zehnspurige Autobahn mit der Hauptstadt verbunden.

Treibende Kraft hinter diesen aufwändigen Projekten ist Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan. Er ist der drittälteste von 19 Söhnen des Gründungsvaters der Vereinigten Arabischen Emirate und heute Kronprinz des Scheichtums. Das Vermögen des Ölclans, der über 850.000 Untertanen regiert, wird auf mindestens 600 Milliarden Euro geschätzt. Mohammed allein gehören davon 16 Milliarden. Nach dem Tode des Vaters wurde im November 2004 sein ältester Halbbruder Khalifa neuer Herrscher, ein eher bedächtiger und konservativer Patriarch. Der eigentliche Kopf bei der Modernisierung und Öffnung von Abu Dhabi ist der jüngere Mohammed, sein Stellvertreter. Kultur statt Gewalt - lautet sein Motto. "Wir liegen im Kampf mit denen, die unsere Religion gekidnappt haben", vertraut er immer wieder westlichen Besuchern an. Er setzt auf Bildung und Erziehung als Rezept gegen den engstirnigen Fanatismus seiner Region.

Traditionelle Hobbys, modernes Investment

1961 in Abu Dhabi geboren, absolvierte Scheich Mohammed die berühmte britische Militärakademie in Sandhurst, wo auch Winston Churchill, James-Bond-Autor Ian Fleming und der britische Kronprinz Harry das Kriegshandwerk übten. 1993 ernannte sein Vater den damals 32-jährigen zum Generalstabschef der Vereinigten Arabischen Emirate - eine Position, die er später als Machtbasis nutzte für seine politische Karriere.

Der sportliche Scheich ist Vater von neun Kindern. Pferdezucht und Falkenjagd sind seine Hobbys. Und er wacht über das riesige Imperium der Abu-Dhabi-Staatsfonds, von denen "Aabar Investment" Anfang der Woche mit 9,1 Prozent bei Daimler einstieg. Aus Sicht Mohammeds ein idealer Zukauf. Das Prestige einer Edelmarke mit Weltruf gepaart mit dem Know-how für umweltfreundliche Elektroautos sowie der Aussicht auf ein Ausbildungszentrum für junge Ingenieure seines Landes. Denn Abu Dhabi, das größte der sieben Vereinigten Arabischen Emirate, sitzt zwar auf zehn Prozent der Weltölreserven, plant aber schon für die Zeit nach dem Öl. Vor sechs Wochen legte der 47-Jährige Kronprinz den Grundstein für Masdar-City, die erste klimafreundliche Stadt der Welt, die bis 2016 westlich des Flughafens von Abu Dhabi entsteht. 50.000 Menschen sollen hier einmal wohnen und 1500 Firmen aus dem Ökologiesektor arbeiten - vollständig versorgt durch erneuerbare Energien. Kein Punkt im Stadtgebiet soll mehr als 200 Meter von einer Haltestelle der öffentlichen Verkehrsmittel entfernt sein. Doch bis dahin ist ein weiter Weg, so wie in den Scheichtümern mit Energie geprasst wird. Die meisten fahren schwere Geländewagen oder spritfressende Hummer. Nach einer Kalkulation des "World Wide Fund For Nature (WWF)" hinterlassen die Emirate pro Kopf bislang den größten "ökologischen Fußabdruck" weltweit: Jeder seiner Bewohner verbraucht im Durchschnitt mehr Ressourcen, als jeder andere Mensch auf Erden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben