Kuba : Castro angeblich in ernstem Zustand

Der kubanische Präsident Fidel Castro befindet sich nach drei fehlgeschlagenen Operationen offenbar in einem ernsten Zustand. Er soll an einer schweren Darminfektion leiden.

Madrid - Die Krankheit des 80-Jährigen habe sich durch eine Serie von fehlgeschlagenen Operationen verschlimmert, berichtete die Zeitung "El País". Das Blatt berief sich dabei auf Informationen des Madrider Gregorio-Marañón-Krankenhauses, das im Dezember den Chirurgen José Luis García Sabrido zur Behandlung Castros nach Kuba geschickt hatte.

Der Mediziner erklärte jedoch dem amerikanischen Nachrichtensender CNN, er sei nicht die Quelle der Informationen. Alle Berichte, die nicht von Castros Ärzten in Havanna stammten, entbehrten jeder Grundlage. Der spanische Chirurg hatte im Dezember erklärt, Castro befinde sich auf dem Weg der Besserung. Er dementierte Informationen amerikanischer Geheimdienste, wonach Castro unheilbar an Krebs erkrankt sei.

Darmentzündung hat sich ausgeweitet

"El País" nannte keine Einzelheiten über den derzeitigen Gesundheitszustand des Staatschefs. Das Blatt berichtete aber detailliert über die drei Operationen, denen sich Castro seit dem vorigen Sommer unterzogen haben soll. Danach wurde vor dem Sommer 2006 eine Entzündung des Dickdarms festgestellt, die zu starken Blutungen führte. Die Ärzte hätten sich zu einer Operation entschlossen. Spanische Experten sagten der Zeitung, dass der Eingriff nicht angeraten gewesen sei.

Die Operation habe nicht die erhoffte Wirkung gezeigt und die Entzündung sich auf andere Organe des Verdauungsapparats ausgeweitet, berichtete das Blatt. In einer zweiten Operation sei Castro ein künstlicher Darmausgang gelegt worden. Der Zustand des Patienten habe sich jedoch weiter verschlechtert. Der Gallengang habe sich entzündet.

Bruder Raúl führt die Regierungsgeschäfte

Bei einer dritten Operation sei Castro ein künstlicher Gallengang eingesetzt worden. Die aus Asien importierte Prothese habe jedoch nicht funktioniert und durch ein spanisches Fabrikat ersetzt werden müssen. Im Dezember, als der spanische Chirurg den Staatschef untersuchte, habe dieser an einem starken Verlust an Flüssigkeit gelitten. Er habe daher intravenös ernährt werden müssen.

Castro selbst hatte Ende Dezember davon gesprochen, dass seine Chancen für eine Genesung gut seien. Ihm sei jedoch klar, dass der Prozess lange dauern werde, betonte er in einem Kommuniqué anlässlich des 48. Jahrestags des Siegs der Revolution. Auf Grund seiner Erkrankung hatte Castro die Regierungsgeschäfte auf der sozialistischen Karibikinsel am 31. Juli 2006 an seinen jüngeren Bruder Raúl übergeben. (tso/AFP)

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