Kuba : Der Comandante gibt auf

Seit knapp 50 Jahren ist er aus der Weltpolitik nicht wegzudenken - jetzt kündigt Fidel Castro seinen Rückzug an. Er wolle nicht weiter "den Aufstieg viel jüngerer Menschen blockieren", bekennt der 81-Jährige.

HavannaVor drei Tagen kündigte Fidel Castro an, er werde in der nächsten Ausgabe der kommunistischen Parteizeitung Granma "ein interessantes Thema" in seiner Kolumne behandeln. Nun ist es raus: Er will sowohl als Präsident als auch als Armee-Chef zurücktreten.

Castro erklärte in seiner Kolume: "Weder strebe ich die Bürde des Präsidenten des Staatsrates und das Amt des Oberkommandierenden an noch werde ich sie annehmen." Er schreibt, er habe die "Ehre" gehabt, viele Jahre lang das Land zu führen. Nach seiner Erkrankung im Sommer 2006, als er die Regierungsgeschäfte seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Raúl übertragen hatte, sei es seine Aufgabe gewesen, das Volk "psychologisch und politisch" auf seine Abwesenheit vorzubereiten. Nun zähle das Land sowohl auf Politiker der alten Garde als auch jüngere. "Der Weg wird schwierig sein und es ist eine kluge Anstrengung von allen nötig". In einem im Staatsfernsehen verlesenen Schreiben hieß es: "Es ist meine Pflicht, mich nicht an das Amt zu klammern oder den Aufstieg viel jüngerer Menschen zu blockieren."

Es ist ein Rücktritt in Raten. Seit seiner Operation war Castro nicht mehr öffentlich aufgetreten, sondern nur noch in Fernsehbeiträgen zu sehen, meist in Gegenwart befreundeter südamerikanischer Staatschefs wie Lula da Silva oder Hugo Chavez. Woran Castro leidet, ist aber bis heute unklar. Angaben des US-Geheimdienstes CIA, er leide an Parkison, hatte der 81-Jährige zurückgewiesen.

Die Staatsgeschäfte führt sein fünf Jahre jüngerer Bruder Raul - offiziell aber nur kommissarisch. Im Dezember hatte Castro erstmals den möglichen Rückzug von der Macht erwogen. Im Januar aber ist Fidel Castro ebenso wie sein Bruder mit 613 weiteren Kandidaten in die neue Nationalversammlung gewählt worden, die den Staatsratsvorsitzenden bestimmt.

Seit fast 50 jahren an der Macht

Die Politik des 81-Jährigen ist umstritten. Menschenrechtsorganisationen und politische Gegner aus der exilkubanischen Szene werfen ihm ein vor, ein dikatorisches Regime aufgebaut und sich zahlreicher Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht zu haben. Seinen Anhängern gilt er als Vorreiter der sozialistischen Bewegung.

Seit 1959 ist der Comandante in Kuba an der Macht. Zu Beginn des Jahres hatte er nach einem gut zweijährigen Guerrillakrieg den damaligen Diaktator Batista gestürzt, der daraufhin flüchtete. In den folgenden Jahren orientierte sich Castro sehr eng an der Politik der Ostblockmächte und trieb den Aufbau eines politischen Systems in Kuba voran. Nach dem Sturz Batistas war er Verteidigungsminister, im Dezember 1976 wurde er zum Vorsitzenden des Staatsrats ernannt; seither vereinigt er in seiner Person das Amt des Staatsoberhauptes und das des Regierungschefs. Damit ist castro das am längsten amtierende Oberhaupt eines Staates.

Castro weigerte sich auch nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa, einen Systemwandel zu vollziehen. Dadurch wurde Kuba außenpolitisch isoliert. (nim/AFP)

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