Politik : Kuckucksheim

Alfons Frese

Berlin steckt voller Geschichte, natürlich. Und voller Geschichten. Zum Beispiel Baugeschichten. Oder Bürokratiegeschichten. Oder Geschichten von leicht übergeschnappten Ambitionen – typisch Berlin eben. 24 solcher Geschichten erzählt Andreas Hoffmann in „Luftschlösser. Berlins unvollendete Bauten“. Und man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Zur Blockadezeit wurde tatsächlich in Reinickendorf nach Braunkohle gesucht, mitten in Kreuzberg sollte ein Hubschrauberlandeplatz gebaut werden, und für die Arbeit an einem Ernst-Thälmann-Denkmal gönnten sich die Ossis 15 Jahre und 2,2 Millionen Mark – gebaut wurde es nie. Hoffmann erzählt kenntnisreich die Irrungen und Wirrungen von Plänen und Projekten in beiden Teilen der Stadt. 24 Geschichten, bei denen man den Kopf schütteln oder sich prächtig amüsieren kann. Hoffmann erzählt locker, mit reichlich Anekdoten und so detailliert, als wäre er bei der einen oder anderen Planungssitzung dabei gewesen. Man erfährt, wie Berlin über viele Jahrezehnte tickte, warum aus so vielen Verkehrs- und Zukunftsprojekten nichts wurde und wieso im Grunewald kein Kraftwerk entstand.

Andreas Hoffmann: Luftschlösser. Berlins unvollendete Bauten. Transit Buchverlag, Berlin. 128 S., 16,80 €.

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