Politik : Künast bittet zum Anti-Teuro-Gipfel

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Künast will mit Einzelhandel und Gaststätten über die Preisentwicklung seit der Euro-Einführung reden und dafür sorgen, dass ungerechtfertigte Preiserhöhungen schnell zurückgenommen werden. Damit reagiert sie auf das Gefühl vieler Verbraucher, dass alles teurer geworden sei und dass die offizielle Preissteigerungsrate die Realität nicht widerspiegelt.

Im Mai hat die Inflationsrate bei 1,2 Prozent gelegen. Zwar ist diese Zahl nicht besonders aussagefähig, weil im Mai des vergangenen Jahres die Preise enorm gestiegen waren. Doch auch ohne diesen Effekt habe der Preisauftrieb nachgelassen, sagten Volkswirte. Insgesamt werde die Inflationsrate in diesem Jahr unter zwei Prozent liegen.

Dennoch ist unumstritten, dass vor allem regionale Dienstleister und Gaststätten bei den Preisen deutlich aufgeschlagen haben. Die Verbraucher reagierten darauf mit einer „bisher nicht gekannten Kaufzurückhaltung“, klagt der Chef des Handelskonzerns Karstadt-Quelle, Wolfgang Urban. Im Käuferstreik sehen Experten eine effizientere Waffe gegen die Preistreiber als in den geplanten Gesprächsrunden bei Künast. „So schnell wie der Verbraucher kann der Gesetzgeber gar nicht reagieren“, sagte Rogowski. Die Verbraucherverbände werfen der Ministerin vor, jetzt nachholen zu wollen, was sie zu Jahresanfang an Information versäumt habe. Die Bundesbank beharrt in ihrem aktuellen Monatsbericht Mai erneut darauf, dass vier Fünftel des kräftigen Preisanstiegs am Jahresanfang und damit die Hauptursache auf das Konto von Steuererhöhungen und der Kälte in den südeuropäischen Gemüse- und Obstanbaugebieten gehen. Allerdings räumen sie auch ein, dass es bei vielen Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs wie Brötchen, Kaffee, Tee, dem Frisörbesuch oder bei der chemischen Reinigung „erkennbare“ Preissteigerungen gegeben habe. Das Gesamtniveau für die Verbraucherpreise sei aber nur wenig berührt worden. Wohnungsmieten etwa schlagen im Warenkorb allein mit 20 Prozent zu Buche. Gewichtig sind auch langlebige Güter wie Autos, Möbel oder Elektrogeräte. Dort seien die Preise gleich geblieben, zum Teil sogar gesunken, sagt die Bundesbank. Dies werde jedoch weniger wahrgenommen, weil man nur in größeren Abständen solche Produkte kaufe.

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