• Künast will Biowaren-Verbot abwenden Ministerium: EU-Verkaufsstopp wäre unverhältnismäßig / Berliner Krisenrunde schickt Eilbericht nach Brüssel

Politik : Künast will Biowaren-Verbot abwenden Ministerium: EU-Verkaufsstopp wäre unverhältnismäßig / Berliner Krisenrunde schickt Eilbericht nach Brüssel

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Von Cordula Eubel

Mit dem Eilbericht über den Nitrofen-Skandal wollen Bund und Länder das aus der EU-Kommission drohende Verkaufsverbot verhindern. „Ein solches Vermarktungsverbot wäre unverhältnismäßig“, sagte Verbraucherstaatssekretär Matthias Berninger (Grüne) dem Tagesspiegel. Nach Angaben einer Sprecherin von EU-Verbraucherkommissar David Byrne hat die Kommission noch keine Entscheidung getroffen. Angesichts der verworrenen Informationslage könne es sinnvoll sein, „eine Pause einzulegen“ und die Situation aufzuklären. Ein Verbot könnte schon am Montag mit sofortiger Wirkung in Kraft treten.

Nach dem Krisentreffen der Agrarstaatssekretäre in Berlin sagte Müller, alles deute im Moment darauf hin, dass es in Deutschland nur eine Quelle für die Verunreinigung von Ökogetreide mit dem verbotenen Pflanzengift gebe. Niedersachsen hatte Mitte vergangener Woche vermutet, es könnte neben der bekannten Halle in Malchin eine zweite Nitrofen-Quelle geben. Diese Meldung hatte die Behörden in Brüssel alarmiert.

Nach jüngsten Ermittlungen wurden seit dem 1. Juli 2001 knapp 650 Tonnen Getreide in der Halle in Malchin gelagert, darunter auch 130 Tonnen Speisegetreide. Staatssekretär Müller wollte nicht ausschließen, dass möglicherweise Nitrofen-Weizen zu Brot verarbeitet worden ist. „Aber nicht das gesamte Getreide war kontaminiert“, sagte Müller. In dem ehemaligen DDR-Pestizidlager sei bereits seit 1995 „immer mal wieder“ Getreide gelagert worden. Belgien hat im Alleingang einen Importstopp auf deutsche Bioprodukte verhängt. Von Montag an sollen nur noch Produkte ins Land gelassen werden, die das Zertifikat „Nitrofen-frei“ tragen. Das Verbraucherministerium in Berlin hat die EU-Kommission gebeten, diese Sperre zu überprüfen. Belgien habe den Einfuhrstopp nicht, wie vorgeschrieben, bei der Kommission angemeldet, hieß es aus Brüssel.

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