Politik : Kulturhauptstadt 2010: Essen und Görlitz weiter im Rennen

Essen und Görlitz sollen auf Vorschlag einer deutschen Expertenkommission ins Rennen um den Titel der Kulturhauptstadt 2010 gehen. Das wurde am Rande einer Tagung der Kulturministerkonferenz am Donnerstagabend in Berlin bekannt.

Berlin (10.03.2005, 19:09 Uhr) - Das nordrhein-westfälische Essen und die sächsisch- polnische Grenzstadt Görlitz/Zgorzelec sollen auf Vorschlag einer deutschen Expertenkommission ins Rennen um den Titel der Kulturhauptstadt 2010 gehen. Das wurde am Rande einer Tagung der Kulturministerkonferenz (KMK) am Donnerstagabend in Berlin bekannt. Die Expertenkommission - eine Jury der Kulturstiftung der Länder - hatte die Städte aus zehn Bewerberstädten und -regionen ausgewählt.

Die KMK will die Vorschläge an den Bundesrat weiterleiten. Dieser kann die Entscheidung übernehmen oder ändern. Das deutsche Votum wird voraussichtlich im Juni vom Auswärtigen Amt an das Europäische Parlament und die Europäische Kommission weitergeleitet. Die endgültige Nominierung der Kulturhauptstadt 2010 wird auf europäischer Ebene wahrscheinlich im ersten Halbjahr 2006 erfolgen.

In Görlitz war die Freude nach dem Votum groß. «Das ist eine gute Entscheidung», sagte Oberbürgermeister Rolf Karbaum (parteilos) der dpa. «Ich habe immer daran geglaubt, dass wir dabei sind.» Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) verkündete die Entscheidung unter Beifall im Landtag und brach sofort in die Neißestadt auf.

Sachsens Wissenschaftsministerin Barbara Ludwig (SPD) sagte, das Konzept der Stadt, das auf Kultur, Bildung und die Künste als Grundlage europäischen Zusammenlebens setze, «verkörpert wie kaum ein anderes die Idee der europäischen Einigung. Eine europäische Stadt zweier Nationen, zweier Sprachen, zweier Kulturen - das ist das ganz große Potenzial dieser Bewerbung.»

Ihre NRW-Amtskollegin Hannelore Kraft (SPD) freute sich für das Ruhrgebiet: «Es ist super, dass diese Region kulturell nach vorne kommt», sagte sie am Abend. Es sei «ganz toll, dass sich die Städte des Ruhrgebiets für die Bewerbung zusammengetan haben.» Es gebe eine besondere Art von Kultur im Ruhrgebiet, weil sie dort in früheren Industriestätten stattfinde.

NRW-Umweltminister Michael Vesper (Grüne) sagte: «Die Jury hat genau unser Anliegen aufgegriffen, die ganze Region kulturell umzuwidmen und ihr eine von Kultur geprägte Zukunft zu erschließen.» Man wolle nun alles daran setzen, auch auf europäischer Ebene zu überzeugen.

Um die zehn neu hinzugekommenen EU-Länder in das Projekt einzubinden, werden von 2009 bis 2019 jährlich zwei Titelträger, jeweils aus einem alten und einem neuen Mitgliedstaat, ernannt. 2010 wird deshalb neben Deutschland auch Ungarn eine Kulturhauptstadt stellen. In Deutschland trugen zuletzt Berlin (1988) und Weimar (1999) den begehrten Titel. In diesem Jahr ist das irische Cork die Kulturhauptstadt, 2006 ist Patras in Griechenland an der Reihe.

Ausschlaggebend für die Nominierung sind eine sehr gute Management- und Kommunikationsarbeit im kulturellen Bereich. Weitere Auswahlkriterien sind die Förderung des Dialogs mit Jugendlichen und den europäischen Nachbarn sowie die Fähigkeit, den zu erwartenden Touristenströmen gerecht zu werden. Besonderer Wert wird darauf gelegt, die Stadt dauerhaft als Kulturstandort etablieren zu können. (tso) ()

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