Politik : Kulturhoheit

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Gut, wir sind etwas spät dran. Der Bundespresseball endete um sechs Uhr früh am Sonnabend, und alles, was gesagt und gezeigt werden musste, ist längst gesagt und gezeigt. Wir haben die Stimmen jener vernommen, die Spuren einer schleichenden „Vermetzgerballisierung“ ausgemacht haben. Wir haben drei Gäste gehört, die die anderen zu jung fanden, und zwei, denen der Rest zu alt war. Wir haben Roben titanischen Ausmaßes und blendwütiger Farbgebung gesehen – und viele vielleicht zu kurze kleine Schwarze. „No Angels“ statt Udo Jürgens hat den einen gefallen, den anderen nicht. Alles ist gesagt. Nur: Geklärt ist nichts. Ist der Ball auf der Rutschbahn zur Party gelandet? Wäre das schlecht? Wie viel Walzer braucht die Postmoderne? Vor allem: Wo Rot-Grün doch kulturell gewonnen hat, politisch aber noch am Überzeugen arbeitet, gibt es da eine kulturelle Eintrübung des Ballgeschehens? Wie sieht heutzutage rot-grüne Repräsentationsmusik aus? Das mag jetzt alles abgehoben klingen. Aber es ist keineswegs so, dass sich die Politik keine Gedanken über Musik macht. Da gibt es Hans Hermann Langguth, der hat lange den Grünen gedient und ist jetzt Stellvertretender Regierungssprecher. Wir wissen nicht, was Herr Langguth privat so hört, vielleicht geht es ihm ja wie etlichen Presseball-Besuchern, und er findet um zehn den Walzer, um eins den Foxtrott und um fünf meinetwegen auch Kylie ganz gut, die, die man nicht aus dem Kopf kriegt. Jedenfalls musste Langguth am Montag kundtun, was das offiziöse Berlin denn dem Autoren des Schröder-Steuer-Songs für sein nächstes Werk wünsche. „Frohe Verrichtung“, sagte Langguth. Das war gut. Und kulturell sehr souverän.

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