Kultusministerkonferenz : Zöllner will "Killerspiele" verbieten

Bildungssenator Zöllner, der derzeit ebenfalls den Vorsitz der Kultusministerkonferenz inne hat, will hart gegen so genannte Killerspiele vorgehen. Zudem will Zöllner mehr für die Universitäten tun.

Berlin - Der neue Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), möchte so genannte Killer- und Gewaltspiele von Jugendlichen am Computer verbieten. Bei seiner Amtseinführung sagte der SPD-Politiker: "Ich persönlich bin der Meinung, man sollte gefährliche Killerspiele verbieten." Mit den anderen Länder-Kultusministern strebe er dazu eine gemeinsame Position an. Allerdings erklärte Zöllner nicht, was er unter Killerspielen versteht. Parallel zur Exzellenz-Initiative für die beste Universitätsforschung will Zöller darüber hinaus einen neuen Wettbewerb für gute Hochschullehre abstoßen.

Bei der Auseinandersetzung mit Killerspielen gehe es ihm nicht nur um die etwa 0,2 Prozent unmittelbar gefährdeten oder extrem gewaltbereiten Jugendlichen, sagte Zöllner. Vielmehr bestehe durch die Gewöhnung und das Trainieren des "optimalen Tötens" die Gefahr, "dass sich insgesamt die Einstellung zur Gewalt verändert und die Hemmschwellen sinken", begründete Zöllner seinen Vorstoß.

Länder-Initiative für bessere Hochschullehre geplant

Über die Auswirkungen von stundenlangen Computerspielen bei Schulkindern sei noch wenig bekannt, räumte Zöllner ein. "Was am Vormittag gelernt wurde, muss am Nachmittag wiederholt werden, damit Kinder tatsächlich Lernfortschritte machen." Insgesamt seien die neuen Informationstechniken eine Herausforderung für das gesamte Bildungssystem, bedeuteten aber zugleich auch Risiken. Zöllner: "Wenn Hausarbeiten von Studenten im Wesentlichen von den ersten Treffern der Google-Recherche bestimmt werden, droht die Wissenschaft sich im Gleichschritt fortzubewegen." Sorgfältige Recherche mehrerer Medien, Gespräche mit anderen Wissenschaftlern und eine vielfältige Sichtweise müssten Teil des Studiums bleiben.

Nach dem Elite-Wettbewerb um die beste Universitätsforschung will Zöllner eine Länder-Initiative für gute Hochschullehre anstoßen. Dabei wolle er keinen Wettbewerb nach Art "Deutschland sucht den besten Professor oder gar den Super-Lehrmeister". Vielmehr gehe es ihm um die Aufwertung der Lehre und der Ausbildungsleistung an den Hochschulen. Für das Prestige eines Professors zähle bisher vor allem die Forschungsleistung. Beruflicher Aufstieg müsse aber auch mit guter Lehre möglich sein. Zöllner geht davon aus, dass die Länder nach der Föderalismusreform einen solchen gemeinsamen Wettbewerb auch ohne den Bund hinbekommen müssten.

Migration als Chance

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), nannte einen solchen Wettbewerb äußerst sinnvoll. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sollte prüfen, wie weit sie die Länder dabei unterstützen kann.

Einen Arbeitsschwerpunkt in diesem Jahr sieht Zöllner in einem besseren Unterricht für Migranten. "Wir müssen Migration als Chance begreifen, statt ständig über die Probleme zu klagen", forderte Zöllner. Die Sprachkurs-Konzepte sollten überprüft werden. Schule müsse den kulturellen Hintergrund zum Beispiel von vietnamesischen oder türkischen Jugendlichen annehmen und dies auch als Chance zu kultureller Vielfalt begreifen. Bereits 2010 werde etwa jeder dritte Schüler in Deutschland einen Migrationshintergrund haben, in den Stadtstaaten sogar jeder zweite. Zöllner löst in dem Amt des KMK-Präsidenten turnusgemäß die Kieler Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) ab. (tso/dpa)

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