Kundus-Ausschuss : Das Rätsel hinter der Task Force 47

Der Kundus-Ausschuss befragt weitere Zeugen. Besonders gespannt waren die Abgeordneten auf die Aussage von "Red Baron".

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Berlin - Hinter dem Decknamen steckt der Oberfeldwebel W. Er war in der Nacht der Bombardierung als Fliegerleitfeldwebel eingesetzt. Er hielt den Kontakt zu den US-Piloten, er lehnte mehrfach im Namen des Kommandeurs Angebote der Jetbesatzungen ab, im Tiefflug die Taliban zu vertreiben. Und er ist Mitglied einer geheimen Spezialeinheit, von deren Existenz die Abgeordneten erst am Mittwoch offiziell erfuhren. Jetzt sagte er in geheimer Sitzung des Untersuchungsausschusses aus – unter höchster Geheimhaltungsstufe. Er widersprach seinem früheren Vorgesetzten Oberst Georg Klein, der in der vorigen Sitzung ausgesagt hatte. Der Oberst hatte angegeben, nur sehr wenig vom Funkverkehr zwischen „Red Baron“ und den Jetpiloten mitbekommen zu haben. Der Oberfeldwebel sagte völlig anders aus. „Wenn es zwei fundamental unterschiedliche Aussagen gibt, sagt einer nicht die Wahrheit“, sagte Omid Nouripour, Obmann der Grünen im Verteidigungsausschuss.

Während ein Großteil der Aussage von „Red Baron“ geheim blieb, machten die Ausschussmitglieder eine andere Information öffentlich: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und sein Vorgänger Franz Josef Jung (CDU) sollen am 25. März vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss aussagen. Eine Woche vor den beiden Politikern werden der frühere Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und der ehemalige Staatssekretär Peter Wichert vernommen.

Am Donnerstag waren vier weitere Zeugen geladen, von denen Brigadegeneral Jörg Vollmer der Ranghöchste war. Anfang September war er als Regionalkommandeur Nord Vorgesetzter von Klein. Die Befragung begann mit zwei Soldaten der Spezialeinheit Task Force 47. Deren Mitglieder, allesamt Elitesoldaten, sind in Afghanistan für die gefährlichen Aufträge zuständig. Sie spähen Talibanführer aus, jagen Terroristen und nehmen Aufständische fest. In der Nacht zum 4. September, als US-Kampfjets auf deutschen Befehl zwei Tanklaster am Kundus-Fluss bombardierten, spielte die Task Force 47 eine wichtige Rolle. Klein baute bei seiner Entscheidung auf Informationen, die er von der Spezialeinheit bekam. Der Ausschuss befragte auch Hauptfeldwebel V. vom Kommando Spezialkräfte zur Task Force 47. Der Ausschuss will jetzt hinterfragen, was die Task Force 47 genau tut. Über deren Aufgaben wurde der Verteidigungsausschuss erstmals offiziell am Mittwoch informiert. Wie der Tagesspiegel erfuhr, teilte das Verteidigungsministerium den Abgeordneten mit, dass die Einheit seit 2007 besteht. Sie habe seitdem 50 geheime Aufklärungsmissionen bestritten. „Ob alles, was dort gelaufen ist, noch von dem Bundestagsmandat gedeckt ist, kann bezweifelt werden“, sagte Hans-Peter Bartels (SPD). 

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