Politik : Kuno Böse: Berliner mit Biss

Eckhard Stengel

Was er in Berlin nicht schaffte, gelingt ihm jetzt in der Hansestadt: Kuno Böse, von 1995 bis Anfang 2000 Staatssekretär beim Berliner Innensenator und seit August 2000 in gleicher Funktion als "Staatsrat" im Bremer Innenressort, steigt zum Senator auf. Nach dem Bremer CDU-Landesvorstand hat jetzt auch die Bürgerschaftsfraktion empfohlen, den 52-Jährigen zum Nachfolger von Innensenator Bernt Schulte zu wählen.

Schulte hatte seinen Rücktritt für Juli angekündigt. Er reagierte auf jahrelange Mäkeleien seiner CDU-Parteifreunde. Schon als Bausenator (1995 bis 1999) und danach als Ressortchef für Inneres, Kultur und Sport war er immer wieder angegriffen worden: wegen Profillosigkeit, Zögerlichkeit und mangelnder Rückkoppelung mit der Partei.

Als neuen Innensenator hätte CDU-Landeschef Bernd Neumann gerne seinen eigenen Vize, Michael Teiser, gesehen, der ein ähnlicher Haudegen wie Ex-Senator Borttscheller ist und zum Beispiel hartnäckige Graffiti-Sprayer als kriminelle Vereinigung verfolgt sehen möchte. Doch Teiser winkte ab, und so darf im Sommer Staatsrat Böse seinen bisherigen Chef beerben - auch wenn der Koalitionspartner SPD einwarf, der Zugereiste habe ein "erhebliches Defizit" an Kenntnis der Bremer Verhältnisse.

Für die Grünen ist Böse ein "Polarisierer" und mitverantwortlich für die "zahlreichen ungelösten Probleme" des Ressorts. Mit seinem "Konfrontationskurs" habe er sogar bewirkt, dass der liberale Polizeipräsident Rolf Lüken vorzeitig in Ruhestand geht. Erstaunlicherweise verzichtete die Oppositionsfraktion auf eine weitergehende Rückblende: In Berlin war Böse in eine Verfassungsschutzaffäre verwickelt, bei der es um die Beschäftigung eines früheren Stasi-Mitarbeiters als V-Mann und um die falsche Verdächtigung eines Polizeidirektors als Scientology-Mitglied ging. Vor seinem Eintritt in die CDU 1995 war der promovierte Historiker 25 Jahre lang FDP-Mitglied. Dass er ein skandalerprobter Hardliner sei, wies er gegenüber dem Bremer "Weser-Kurier" aber von sich: Das sei ein "falsches Image".

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