Politik : Kunst mit Knoten am Kanzleramt

Eine Friedensskulptur wird enthüllt – und Günter Grass lobt Gerhard Schröders Nein zum Irak-Krieg

Cordula Eubel

Berlin – Es ist ein Symbol, das Gerhard Schröder gut passt: Im Park des Bundeskanzleramts steht seit Sonntagabend die Skulptur „Non Violence“. Die Pistole mit verknotetem Revolverlauf ist eines von elf Exemplaren der Friedensskulptur, wie sie auch vor dem Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York steht. Ein Geschenk des schwedischen Künstlers Carl Fredrik Reuterswärd, rechtzeitig vor den Neuwahlen überreicht. Die Enthüllung in Anwesenheit des Künstlers ist Anlass für ein kleines Sommerfest, zu dem der Kanzler vor allem Kulturschaffende eingeladen hat.

Für Schröder ist die verknotete Pistole ein Plädoyer, die friedliche Form der Konfliktlösung zu wählen – ein Thema, das leider auch heute noch aktuell sei. „Selten treffen sich Kunst und Politik auf einer solchen Ebene der Gemeinsamkeit“, sagt der Kanzler. Er sei froh, dass „unsere Friedenspolitik“ die Anerkennung des Künstlers gefunden habe. Günter Grass, der die Laudatio hält, wird expliziter: Die gegenwärtige Bundesregierung habe verantwortlich gehandelt, als sie zum immer noch andauernden Irak-Krieg Nein gesagt habe, lobt der Literaturnobelpreisträger. Bei den anwesenden Gästen gibt es dafür Applaus. Auf Grass kann Schröder sich in Wahlkampfzeiten verlassen. Der Schriftsteller, der in den 70er Jahren zu Willy Brandts Zeiten Miterfinder der sozialdemokratischen Wählerinitiativen war, unterstützt auch 2005 Schröder und die SPD.

Der Kanzler verweist darauf, dass die Pistole nicht nur für Spaziergänger und Touristenschiffe gut zu sehen sei. Auch für Staatsgäste, die von der Terrasse im Kanzleramt in den Park schauten, sei die Skulptur gut sichtbar. Vielleicht gerieten dann auch „die, die mit uns nicht so einer Meinung sind“, ins Nachdenken, sagt Schröder in Anspielung auf die Differenzen, die es vor drei Jahre innerhalb Europas zum Irak-Krieg gab.

Mit der Nähe zum Kanzleramt und zum Parlament sei der „richtige Ort“ für den verknoteten Revolver gefunden worden, findet auch Laudator Grass: „dort, wo direkt und indirekt über Krieg und Frieden entschieden wird“.

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