Kurden-Konflikt : Türkei will noch zwei Wochen warten

Die Türkei will sich mit einer groß angelegten Militärintervention im Irak noch zwei Wochen lang zurückhalten, hat aber eine Nachrichtensperre über die Kämpfe mit kurdischen Rebellen verhängt und zieht Truppen zusammen.

Susanne Güsten
Türkei
Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari sagte seinem türkischen Amtskollegen Ali Babacan Unterstützung zu. -Foto: AFP

IstanbulAnkara will in den kommenden beiden Wochen alle anderen Möglichkeiten zur Lösung des PKK-Problems im Nordirak ausschöpfen. Außenminister Ali Babacan flog inzwischen zu Gesprächen mit der irakischen Führung nach Bagdad, Premier Recep Tayyip Erdogan traf seinen britischen Amtskollegen Gordon Brown in London. Gleichzeitig denkt die US-Regierung erstmals über amerikanische Luftangriffe auf die PKK und eine gemeinsame Aktion mit der Türkei gegen die Kurdenrebellen nach. Länger als bis zum 5. November will Ankara aber nicht warten: An diesem Tag spricht Erdogan in Washington mit George W. Bush. Sollte es bis dahin keine Entscheidung über Schritte gegen die PKK geben, will die Türkei im Irak angreifen. Der türkische Truppenaufmarsch an der Grenze geht deshalb weiter: Inzwischen sollen dort 100.000 Soldaten stationiert sein.

 Die Türkei droht mit einem Einsatz ihrer Armee gegen die Stützpunkte der PKK im Nordirak, die von dort aus immer wieder auf türkischem Boden angreifen. Jeder neue Anschlag lässt in der Türkei die Rufe nach Vergeltung lauter werden. Die Opposition verlangt inzwischen mehr als nur eine einmalige Militäraktion jenseits der Grenze: Die türkischen Soldaten müssten im Irak bleiben, bis die PKK endgültig aus der Region vertrieben worden sei, fordert die rechtsnationale Partei MHP.

Irakische Regierung will gegen Kurden vorgehen

Erdogan zögert trotzdem. In Beratungen mit Staatspräsident Abdullah Gül und der Armeespitze berichtete der Premier in den vergangenen Tagen von Zusagen der USA, im Nordirak neue Schritte gegen die PKK einzuleiten. Außenministerin Condoleezza Rice sprach mit Erdogan zudem über gemeinsame Aktionen gegen die Kurdenrebellen. Wie diese aussehen könnten, blieb unklar. Die Zeitung „Chicago Tribune“ zitierte US-Regierungsvertreter mit den Worten, angedacht worden seien amerikanische Luftangriffe auf PKK-Lager im Irak und ein Beschuss der Rebellenstützpunkte mit US-Marschflugkörpern.

Auch die irakische Regierung unterstrich ihre Bereitschaft, mit den Türken etwas gegen die PKK im Nordirak zu unternehmen. Außenminister Hoschjar Sebari sagte seinem Amtskollegen Babacan bei dessen Besuch in Bagdad, seine Regierung wolle "aktiv“ werden. Einzelheiten nannte Sebari nicht, betonte aber, eine Militäraktion müsse das letzte Mittel bleiben. Nächste Woche sollen auf US-Initiative hin in Istanbul Gespräche zwischen Amerikanern, Irakern und Türken stattfinden.

Nicht auf neue Waffenstillstandsangebote eingehen

Aus türkischer Sicht ist es entscheidend, dass die USA und die Iraker ihre Zusagen bald umsetzen. Wenn innerhalb "einiger Tage“ nichts geschehe, werde die Türkei die Dinge selbst in die Hand nehmen, sagte Erdogan.

Auf neue Waffenstillstandsangebote der PKK wird die Türkei nicht eingehen. Die Kurdenrebellen erklärten, sie würden die Waffen niederlegen, wenn die Türkei auf einen Einmarsch verzichte und Verhandlungen aufnehme – dabei hatte die PKK trotz einer bereits bestehenden „Waffenruhe“ am vergangenen Wochenende zwölf türkische Soldaten getötet. Die Kurdenrebellen im Nordirak sollen sich in Erwartung eines türkischen Angriffs bereits aus ihren Stellungen in unmittelbarer Grenznähe zurückgezogen haben.  

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