Kurden-Konflikt : Türkische Soldaten rücken in den Nordirak ein

Im Kampf gegen die kurdischen Rebellen sind am Morgen türkische Truppen in den irakischen Norden eingerückt. Unterdessen wurde bekannt, dass die USA die türkische Armee vor dem Luftangriff am Sonntag mit Satellitenbildern der PKK-Stellungen versorgt hat.

ErbilTürkische Soldaten sind heute in den Nordirak eingedrungen. Ein Militärvertreter sagte dem türkischen Nachrichtensender CNN-Türk, mit dem Vorstoß sei ein versuchter Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) abgewehrt worden. Berichte, wonach es Schießereien zwischen den Soldaten und Kämpfern der PKK gegeben habe, wurden von türkischer Seite jedoch zunächst nicht bestätigt.

Bei dem Vorstoß handelt sich offenbar nicht um eine größere Offensive. Dschabar al-Jawar, ein Sprecher der kurdischen Kämpfer "Peschmerga" in Erbil, sagte: "Die Soldaten haben bei der Verfolgung von Kämpfern der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im Dreiländereck zwischen der Türkei, Iran und dem Irak die Grenze überquert."

Präsident Gül reagiert ausweichend

Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete, in der Nacht zum Dienstag seien rund 300 türkische Soldaten in den Nordirak marschiert. Die leicht bewaffneten Truppen seien etwa zwei Kilometer weit ins Landesinnere vorgerückt. Die PKK wird nicht nur von der Türkei, sondern auch von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Die Türkei hatte am Wochenende Lager der PKK im Nordirak bombardiert.

Der türkische Präsident Abdullah Gül hat sich ausweichend zum Einmarsch türkischer Soldaten im Nordirak geäußert. Auf Fragen von Journalisten antwortete Gül nach Berichten türkischer Fernsehsender, die Armee mache "das Notwendige" im Kampf gegen die Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die Türkei habe nur ein Ziel im Nordirak, und das sei der Terrorismus, betonte Gül. Zugleich hob er die guten Beziehungen zu Bagdad hervor. "Der Irak ist ein Bruderland", sagte Gül, der sich in der zentraltürkischen Stadt Konya aufhielt.

Trotz Dementi die USA unterstützt türkische Armee

Die USA unterstützen laut Medienberichten die türkische Armee bei Angriffen auf kurdische Rebellen im Irak mit Geheimdienstinformationen. Wie die Zeitung "Washington Post" unter Berufung auf hohe Regierungsbeamte berichtete, versorgen die USA die Militärs mit Informationen über Aktivitäten und Bewegungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak.

Dazu hätten US-Militärs ein Verbindungsbüro in Ankara eingerichtet. Unter anderem seien Satellitenbilder über PKK-Stellungen für die türkischen Abgriffe am vergangenen Sonntag geliefert worden. Die US-Experten würden den türkischen Militärs "praktisch die Ziele aufzeigen", zitiert das Blatt einen Beamten.

Bereits am Montag hatten türkische Medien berichtet, die USA hätten grünes Licht für die Angriffe gegeben. Zudem hätten die US-Streitkräfte im Irak den Luftraum für die türkischen Kampfflugzeuge geöffnet. Die USA hatte dies zunächst dementiert. Nach türkischen Angaben wurden dabei mehrere PKK-Lager und die Kommandostruktur der PKK weitgehend zerstört. Die Europäische Union rief Ankara zur Mäßigung auf. (ae/AFP/dpa)

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