Politik : Kurden rechnen fest mit Angriff der USA auf den Irak

Die US-Regierung will den Irak nach den Worten von Kurdenführer Dschalal Talabani auch dann angreifen, wenn Bagdad der Rückkehr der UN-Waffeninspektoren zustimmen sollte. "Ich bin überzeugt, dass die Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Bagdad tiefer gehen und sich nicht auf die Rückkehr der Kontrolleure beschränken", sagte der Führer der irakischen Patriotischen Union Kurdistans (PUK) in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der arabischen Tageszeitung "Al-Hayat". Er selbst und der Vorsitzende der Demokratischen Partei Kurdistans, Massud Barsani, stünden in engem Kontakt mit der US-Regierung.

Nach Angaben von "Al-Hayat" hat US-Außenminister Colin Powell den beiden irakischen Kurdenführern schriftlich versichert, dass die USA sowohl die territoriale Integrität der irakischen Kurdengebiete als auch den kurdischen Anteil an den Öl-Einkünften des Landes erhalten wollten. Außerdem habe er ihnen die Einsetzung einer demokratischen Regierung nach dem Sturz von Präsident Saddam Hussein versprochen.

Auch der Direktor des Orient-Instituts in Hamburg, Udo Steinbach, erwartet einen baldigen US-Militärschlag gegen den Irak. "Ich rechne mit einem Angriff im Mai", sagte er der "Bild am Sonntag". Steinbach warnte: "Die irakische Armee wird länger durchhalten, als die Strategen es sich in Washington vorstellen. Die Zahl der Opfer wird auf beiden Seiten sehr hoch sein."

Der irakische Präsident Saddam Hussein erklärte unterdessen, sein Volk werde die USA trotz ihrer technologischen Überlegenheit "besiegen". "Die USA werden es, so Gott will, nicht schaffen, den Willen des irakischen Volkes zu brechen, genauso wie sie vom vietnamesischen Volk besiegt wurden", sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur INA am Samstagabend.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) bereitet sich bereits auf einen möglichen US-Angriff auf Irak vor. Die Organisation habe damit begonnen, Hilfsgüter ins iranische Grenzgebiet zu Irak zu verlegen, sagte UNHCR-Sprecher Philippe Lavanchy am Sonntag in Teheran. Dabei sollten Zelte, Decken und Küchengeräte für bis zu 150 000 Flüchtlinge bereitgestellt werden.

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