Kurdenkonflikt : Iran: Kein Alleingang der türkischen Armee

Iran bezieht im Konflikt zwischen der Türkei und den PKK-Rebellen im Nordirak Stellung: Ein Alleingang des türkischen Militärs sei in Teheran unerwünscht. Am Wochenende ist die Zahl der bisherigen Todesopfer auf 79 gestiegen. Die Türkische Führung droht den militanten Kämpfern mit "harten Schlägen".

Teheran/Istanbul Die iranische Führung ist gegen einen militärischen Alleingang der türkischen Armee in den nordirakischen Kurdengebieten. Präsident Mahmud Ahmadinedschad rief die Türkei bei einem Treffen mit dem türkischen Außenminister Ali Babacan zu Verhandlungen im Konflikt mit der als Terrororganisation eingestuften kurdischen Arbeiterpartei PKK auf. Türkische Soldaten töteten bei Einsätzen gegen die PKK in der Provinz Tunceli im Osten des Landes 15 kurdische Kämpfer. Ein Militärvertreter sagte dem Nachrichtensender CNN Türk, die Vorbereitungen für einen Einsatz gegen die PKK im Nordirak seien abgeschlossen. Der Truppenaufmarsch sei beendet.

Türkische Medien berichteten am Wochenende, die Türkei wolle vor einer möglichen Offensive ein türkisch-amerikanisches Spitzentreffen abwarten. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will den US-Präsidenten George W. Bush am 5. November treffen. Der türkische Generalstabschef Yasar Büyükanit drohte der PKK harte Schläge an. Die Armee werde den Kampf fortsetzen, bis die Terroristen unschädlich gemacht seien, erklärte Büyükanit in einer vorab veröffentlichten Rede zum türkischen Nationalfeiertag an diesem Montag.

Zahl der Todesopfer steigt auf 79

Die Zahl der in jüngster Zeit bei Kämpfen zwischen türkischen Soldaten und der PKK getöteten Menschen stieg am Wochenende auf 79. Drei Menschen wurden verletzt, als am Sonntag während einer Demonstration gegen die PKK in der nordwesttürkischen Stadt Izmit ein Sprengsatz explodierte. Der türkische Außenminister Babacan bekräftigte in Teheran, sein Land habe nach den Angriffen der PKK die Geduld verloren. Mit Blick auf einen angedrohten Militärschlag sagte er, alle Optionen seien auf dem Tisch.

Am Wochenende verbot die Türkei nach kurdischen Angaben Flugverbindungen mit den nordirakischen Kurdengebieten und der irakischen Hauptstadt Bagdad. Der Iran ist für einen Sicherheitspakt mit dem Irak, um kurdischen Rebellen das Handwerk zu legen. Iranische Einheiten haben sich in den vergangenen Monaten mehrfach Kämpfe mit kurdischen Rebellen geliefert. Unterdessen brachten Gespräche zwischen irakischen Unterhändlern und der türkischen Regierung in Ankara keinen Fortschritt.

Erdogan kritisiert Europa

Die Türkei ist nach Angaben des Außenministeriums in Ankara mit einem irakischen Angebot zur Vermittlung im Konflikt mit der PKK unzufrieden. Der Präsident des Autonomiegebietes der irakischen Kurden, Massud Barsani, erklärte im Irak, er werde Forderungen der Türkei nach einer Auslieferung von PKK-Führern nicht erfüllen. "Ich werde niemanden überstellen. An kein Land. Wie auch immer die Umstände sind", sagte er. Er wolle aber auch nicht länger erlauben, dass die PKK den Nordirak als Sprungbrett für Angriffe in der Türkei benutze. Erdogan kritisierte Länder der Europäischen Union dafür, dass sie Führungsmitglieder der von der EU als terroristisch eingestuften PKK nicht an die Türkei auslieferten. Die Türkei kritisiert, dass die PKK in der EU Unterschlupf finde und Geldquellen habe. (mit dpa)

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