Politik : Kurnaz: Ich wurde zwangsernährt

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Hamburg - Der frühere Bremer Guantánamo-Gefangene Murat Kurnaz hat seine Misshandlungsvorwürfe gegen die Bundeswehr erneuert. Er sei im afghanischen Kandahar definitiv von deutschen Soldaten misshandelt worden, sagte Kurnaz nach ARD-Angaben in der vorab aufgezeichneten Talksendung „Beckmann“, die am Montagabend ausgestrahlt werden sollte. „Ich habe keine Zweifel, dass es Deutsche gewesen sind. Sie haben perfektes Deutsch gesprochen, und auf ihrer Uniform habe ich die deutsche Flagge gesehen“, sagte der 24-jährige. Einer der beiden Soldaten habe ihn an den Haaren vom Boden hochgezogen und gefragt: „Weißt du wer wir sind? Wir sind die deutsche Kraft – KSK.“ Dann sei sein Kopf auf den Boden geschlagen worden. Er sei sich „ganz sicher“, dass er beide Soldaten identifizieren könnte.

Kurnaz bekräftigte in der Sendung, an der auch der Vorsitzende des BND-Untersuchungsausschusses, Siegfried Kauder, teilnahm, dass es 2004 ein zweites Verhör durch einen deutschen Beamten gegeben habe: „Er hat perfekt deutsch gesprochen und hat sich als Deutscher vorgestellt.“ Kurnaz erinnerte sich: „Er brachte ganz viele Fotos mit, zu denen ich mich äußern sollte. Es waren zum Teil meine Arbeitskollegen, Leute, die ich aus der Moschee kannte oder Freunde aus meiner Schulzeit.“ Er sei sich sicher, dass derselbe Mann schon am ersten Verhör durch den BND im Jahr 2002 teilgenommen hatte. „Helfen wollte er nicht. Er hat mir nicht gesagt, dass es eine Chance gibt, dass ich rauskommen kann.“ Erstmals berichtete Kurnaz, er sei in Guantánamo zwangsernährt worden. „Sie haben spezielle Stühle hergestellt mit einer speziellen Sitzform, in der man es nicht lange aushalten kann. Man wird an Armen und Füßen und allen Gelenken gefesselt. Dann haben sie mir eine Plastikröhre in meine Nase gestopft.“ Kurnaz war 2001 während einer Pakistanreise verhaftet und bis August dieses Jahres von den USA als „feindlicher Kämpfer“ im Lager Guantánamo auf Kuba festgehalten worden. AFP

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