Politik : Kursk: Das U-Boot soll auftauchen - aber nicht wirklich

Elke Windisch

Nun wird doch noch wahr, woran die Öffentlichkeit bis zum letzten Moment zweifelte: Am Montag beginnen in der Barentssee die Vorbereitungen zur Hebung des russischen Atom-U-Boots "Kursk", das im vergangenen August mit 118 Mann an Bord gesunken war. Die Stunde X ist allerdings erst für Mitte September geplant. Doch schon am Montagmittag wird das norwegische Bergungsschiff "Mayo" am Ort der Katastrophe vor Anker gehen. An Bord befindet sich ein internationales Team von Tauchern - 18 Russen, Norweger, die schon im vergangenen Jahr halfen, Briten, Belgier und Holländer. Die Federführung liegt bei den niederländischen Spezialfirmen Smit Tak und Mammoet .

Die Taucher sollen zunächst Schlick und Sand rund um das Wrack absaugen und später Löcher in den Rumpf der "Kursk" bohren, durch die dann armdicke Stahltrossen gefädelt werden. Mit deren Hilfe soll das in 80 Metern Tiefe liegende Wrack an die Wasseroberfläche gehievt und unter dem Kiel des Spezialschiffes "The Giant" festgemacht werden. Der Riese schleppt das U-Boot dann bis zum Kriegshafen Rosljakowo bei Murmansk. Am Weißen Meer, in Sewerodwinsk, fahren die Werftarbeiter inzwischen Sonderschichten, damit die beiden Pontons rechtzeitig fertig werden, mit denen das 18 000 Tonnen schwere Wrack in Rosljakowo auf das Trockendock bugsiert werden soll. Noch auf dem Grund der Barentssee muss allerdings der durch Explosionen schwer beschädigte Bug der "Kursk", in dem sich die Reaktoren befinden, mit ferngesteuerten Sägen vom Rumpf getrennt werden.

Insgesamt werden an der Hebung, die nach vorsichtigen Hochrechnungen rund 50 Millionen Dollar kosten wird, 23 Schiffe beteiligt sein. Einige von ihnen sollen bei Bedarf Wasserbomben abwerfen, um ungebetene Gäste fernzuhalten, sagte ein Sprecher der Seekriegsflotte. Auch direkt ans Wrack dürfen nur die Russen.

Kreml und Marineführung, die die wahren Ursachen des Unglücks noch immer geheim halten, haben sich allerdings dazu durchgerungen, die Öffentlichkeit zumindest teilweise bei den Begungsarbeiten zuschauen zu lassen. Zu Preisen, wie sie westliche Reiseveranstalter bei Trekking im Himalaja kassieren, sollen ausgewählte Journalisten mit einem Passagierdampfer an die Unglücksstelle gebracht werden, um dort für zwei Stunden die Vorbereitungen für die Hebung zu verfolgen. Auch bei der Anlandung des Wracks am Trockendock sollen Kamerateams zugelassen werden.

Die Angehörigen der toten Matrosen sehen der Bergung mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Leichen oder besser das, was Salzwasser, Fische und Krebse von ihnen übrig ließen, werden Müttern und Ehefrauen kaum gezeigt werden. Und was wirklich in den fest verschweißten Zinksärgen ist, die sie, wenn alles gut geht, Mitte September in Empfang nehmen werden, wissen allein die Götter und ein paar Admiräle.

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