Politik : "Kursk"-Desaster: Moskau verteilt Sparbücher an Hinterbliebene

Die russische Vize-Regierungschefin Walentina Matwjenko hat am Freitag im nordrussischen Wedjajewo Sparbücher an die Anghörigen der 118 Opfer des U-Boot-Unglücks verteilt. Nach Angaben der Verwaltung in Murmansk bekam jede Familie eine Summe von 720 000 Rubel (rund 56 000 Mark). Verteidigungsminister Igor Sergejew sagte am Freitagmorgen, die mit der Untersuchung der Unglücksursache beauftragten Ermittler verfolgten derzeit mindestens zehn unterschiedliche Theorien. Mit ersten Ergebnissen der Ermittlungen rechne er bereits am Wochenende. Regierungschef Michail Kasjanow betonte beim Besuch eines Atomforschungszentrums bei Moskau erneut, dass vom Wrack der "Kursk" keine radioaktive Gefahr ausgehe.

Die stellvertretende Ministerpräsidentin Matwjenko stellte den Umzug von Familien der "Kursk"-Opfer innerhalb von drei Monaten in Aussicht. Falls Angehörige aus Wedjajewo, dem Heimathafen des gesunkenen U-Boots, wegziehen wollten, werde eine Möglichkeit gefunden. Der an den Ermittlungen beteiligte russische Inlandsgeheimdienst FSB teilte am Freitag mit, das die beiden in Verdacht geratenen Dagestaner an Bord des U-Boot "auf keinen Fall" mit dem Unglück zu tun hatten. Der Geheimdienst hatte am Donnerstag erstmals in Betracht gezogen, dass der Untergang der "Kursk" durch einen Sabotageakt verursacht worden sein könnte. Sergejew sagte am Freitag, er selbst neige nach wie vor zu der Kollisionstheorie, nach der ein ausländisches U-Boot mit der "Kursk" zusammengestoßen sei. Die russische Justiz hatte am Donnerstag strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen.

Russlands Präsident Wladimir Putin will unterdessen im kommenden Jahr die Verteidigungsausgaben erhöhen. Der Verteidigungshaushalt werde bei der nächsten Haushaltsdebatte im Unterhaus gesondert behandelt werden, kündigte Duma-Präsident Gennadi Selesnjow am Freitag an. Er hatte Putin am Donnerstag getroffen. Der im Juni verabschiedete Entwurf für den Haushalt 2001 sah noch eine Reduzierung der Ausgaben für die Sicherheitskräfte von 29,2 Prozent auf 26,8 Prozent der Staatsausgaben vor. Zu den Sicherheitskräften gehören neben der Armee die Polizei und die Geheimdienste. Nach der fehlgeschlagenen Rettungsaktion der russischen Marine in der Barentssee war heftige Kritik an der Ausstattung der Streitkräfte geäußert worden.

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