Politik : "Kursk"-Desaster: Russische Marine dementiert Raketenbeschuss

Die russische Marine hat am Freitag Berichte zurückgewiesen, wonach das mit 118 Mann Besatzung verunglückte russische Atom-U-Boot "Kursk" von der eigenen Flotte versenkt worden sei. Beim Manöver seien nur Raketen und Torpedos ohne Gefechts-Sprengköpfe verwendet worden, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den Sprecher der russischen Marine, Igor Dygalo.

Die Marine dementiert damit Berichte, eine moderne Anti-U-Boot-Rakete, die vom russischen Raketenkreuzer "Peter der Große" abgefeuert wurde, habe die Katastrophe verursacht. Diese Berichte beriefen sich auf einen in Moskau bisher unveröffentlichten Untersuchungsbericht des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Dieser sei Präsident Wladimir Putin am 31. August von FSB-Chef Nikolai Patruschew vorgelegt worden.

"Im Verlauf eines Seemanövers sind solche Ereignisse ausgeschlossen, weil alle beteiligten Schiffe sich nur in zugeordneten Gebieten bewegen", sagte Dygalo. Übungsschießen würden nur unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt.

In dem FSB-Bericht heißt es nach Angaben der Berliner Zeitung, der Kreuzer habe am 12. August im Rahmen eines Flottenmanövers einen Marschflugkörper vom Typ "Granit" abgeschossen, der mit einem neuen zielsuchenden Gefechtskopf gegen Unterwasserziele ausgerüstet war. Russische Militärs vertraten bisher energisch die Auffassung, dass die "Kursk" von einem ausländischen U-Boot gerammt worden sei.

Auch ein Russland übergebener US-Bericht über den Untergang macht zwei kurz aufeinander folgende Explosionen für das Unglück verantwortlich. Wie der Tagesspiegel bereits gestern in Teilen seiner Auflage berichtete, teilte ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums am Mittwoch mit, wurde die erste Explosion am 12. August um 09:28:26 Uhr registiert, die zweite um 09:30:42 Uhr (MESZ). Letztere war demnach 45 bis 50 Mal stärker als die erste. Die Explosionen hätten einer Sprengkraft von einer bis zu fünf Tonnen TNT entsprochen.

Laut der Sprecherin des Vize-Regierungschefs Ilja Klebanow wurde die Raketen-Version "von der russischen Presse propagiert". Das Europäische Parlament in Straßburg forderte unterdessen eine umfassende Untersuchung der Tragödie, bei der alle 118 Seeleute der "Kursk" starben. Die Bergung der Leichen aus der Barentssee soll nach russischen Angaben zwischen dem 28. und dem 30. September beginnen und wahrscheinlich bis zu drei Wochen dauern.

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