Politik : Kurswechsel der USA: Sonnenschein aus Washington

Harald Maass

Nach den Rückschlägen der vergangenen Monate gibt es wieder Hoffnung für die Entspannungspolitik in Korea: US-Präsident George W. Bush kündigte am Mittwoch an, den Dialog mit dem Regime in Nordkorea wieder aufzunehmen. Damit ist der Weg für eine Fortsetzung der als "Sonnenscheinpolitik" bekannten Friedensverhandlungen zwischen Nord- und Südkorea wieder offen.

Bush hatte die Kontakte zu Pjöngjang unmittelbar nach seiner Amtsübernahme abgebrochen, worauf Pjöngjang die vor einem Jahr begonnene Annäherung an den Süden stoppte. "Wenn Nordkorea positiv reagiert und die notwendigen Schritte unternimmt, werden wir unsere Anstrengungen zur Hilfe für das koreanische Volk verstärken, die Sanktionen lockern und weitere politische Schritte unternehmen", erklärte Bush in Washington. US-Außenminister Colin Powell wollte die neue Politik am Donnerstag mit seinem südkoreanischen Amtskollegen Han Seung Soo besprechen.

Washingtons Kurswechsel kommt für die koreanische Halbinsel zu einem wichtigen Zeitpunkt. Nach dem historischen Gipfeltreffen der beiden koreanischen Führer sind die Verhandlungen über eine Entspannung zwischen beiden Seiten ins Stocken geraten. Für Pjöngjang ist das Entgegenkommen der USA nun ein Erfolg. Der Dialog mit Washington könnte die letzte Gelegenheit sein, die Gespräche wieder zum Laufen zu bringen und sich wirtschaftliche Hilfe aus dem Ausland zu sichern. Nordkoreas Planwirtschaft steht vor dem Kollaps. Ein Großteil der Bevölkerung lebt von Nahrungsmitteln ausländischer Hilfsorganisationen.

Noch ist allerdings unklar, wie ernsthaft Washington die Gespräche mit Pjöngjang tatsächlich führen will. Die Bush-Regierung rechtfertigt ihr umstrittenes Raketenabwehrsystem NMD vor allem mit der angeblichen nuklearen Bedrohung durch autoritäre Einzelstaaten - Nordkorea steht bislang ganz oben auf dieser Liste.

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