Kurt Beck : In der Pose des Empörten

Moderater Ton und wenig Karneval - SPD-Chef Beck verzichtet in seiner Rede auf übliche Aschermittwochsfolklore – und kommt damit gut bei seinen Zuhörern an.

Stephan Haselberger[Vilshofen]
Kurt Beck
Kurt Beck absolvierte seinen zweiten Aschermittwochsauftritt als SPD-Vorsitzender -Foto: ddp

Wenn am Aschermittwoch der SPD-Chef kommt, spielen die „Halser Musikanten“ immer den Erzherzog-Albrecht-Marsch. Für gewöhnlich nimmt der Gast aus Berlin im Wolferstetter Keller zu Vilshofen dann auf einer Bierbank Platz, während die bayerische SPD-Prominenz damit beginnt, auf die seit Jahr und Tag regierende CSU einzudreschen. Danach schreitet der Hauptredner selbst ans Pult, um seinerseits Verfehlungen und Verfall der CSU zu geißeln, wobei alle im Saal wissen, dass alle scharfen Worte und derben Scherze nichts ändern werden. Nicht an der Vorherrschaft der Christsozialen und nicht an der Misere der Bayern-SPD. Politische Folklore – wortgewaltig, und in ihrer Aussichtslosigkeit auch ein wenig traurig.

Diesmal aber gibt die SPD am Aschermittwoch ein anderes Bild ab, diesmal wirkt Vilshofen nicht nur wie eine trotzige Gegenveranstaltung zum Kehraus der Konkurrenz. Das mag daran liegen, dass die CSU im nahen Passau im Jahr eins nach Stoiber mit ihrer neuen Doppelspitze nicht mehr vor echtem Selbstbewusstsein strotzt, auch wenn in der Dreiländerhalle Tausende ihrer Anhänger jubeln und in Vilshofen nur ein paar hundert Genossen. Es liegt aber auch an Kurt Beck.

Es ist Becks zweiter Aschermittwochsauftritt als SPD-Vorsitzender. Der Pfälzer ist kein sonderlich guter Redner. Seine Vorträge ähneln oft einem Flickenteppich, in dem viele Themen miteinander verwoben werden, ohne dass auf den ersten Blick ein klares Muster zu erkennen wäre. Auch für originelle Scherze und beißenden Witz ist Beck nicht bekannt. Und so wird enttäuscht, wer eine furiose oder besonders harte Abrechnung mit der CSU erwartet hat. Die überlässt der SPD-Chef dem designierten bayerischen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im September, Franz Maget. Der erheitert die Genossen, indem er das CSU-Duo Beckstein und Huber mit den Kaczynski-Brüdern aus Polen vergleicht.

Anders Beck. Er verzichtet weitgehend auf alles Karnevaleske, hält eher eine Parteitags- als eine Aschermittwochsrede. Und er bleibt im Ton moderat. Das verleiht der Veranstaltung ungewohnte Ernsthaftigkeit. Natürlich greift der SPD- Chef die CSU und das neue Führungsduo an, und natürlich geht er mit Hessens Noch-Ministerpräsident Roland Koch ins Gericht, diesem „allerbrutalsten Wahlverlierer“. Auf dessen Kampagne zur Ausländer- und Jugendgewalt habe sich die Union vor der Wahl festlegen lassen. Alle seien sie nach Wiesbaden gepilgert, auch die „Oberpilgerin“. Die CDU sei damit „ganz nach rechts außen gerückt, an die populistische Kante“. Oberpilgerin – es ist dies das einzige Mal, dass Beck die Kanzlerin in seiner knapp einstündigen Rede erwähnt.

Vor allem nimmt Beck die Pose des Empörten ein. Einer, der sich im Namen der Partei gegen tatsächliche und vermeintliche Vorwürfe der Konkurrenz verwahrt und schützend vor die Seinen stellt. „Wir werden uns nicht mit Leuten abgeben, die sich irgendwo Linksaußen abtoben“, ruft Beck in den Saal. „ Wir gehen unseren eigenen Weg.“ Dann verteidigt er, der Parteichef, das Bekenntnis zum „Demokratischen Sozialismus“. Unter diesem Begriff hätten Sozialdemokraten gegen das Unrecht im Kaiserreich gekämpft, den Nazis widerstanden und dem DDR-Regime. „Wir verlangen Respekt für unsere Arbeit und unsere Geschichte.“

Fast eine Stunde spricht der SPD-Chef. Es geht noch um die Kontrolle der internationalen Finanzmärkte, das Bekenntnis zu Kündigungsschutz, Mitbestimmung und Mindestlohn, um Kinderfreibeträge, längeres gemeinsames Lernen an Schulen, Ganztagsbetreuung – das ganze SPD-Programm eben. Am Ende klatschen die knapp 800 SPD-Anhänger im Stehen. Beck stellt sich auf eine Bierbank und streckt die Arme hoch. Er weiß, er hat an diesem Aschermittwoch eine außergewöhnliche Rede gehalten.

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