Politik : „Kurt weiß, wann es zu viel wird“

Folgt Doris Ahnen Beck als SPD-Landeschefin?

Stephan Lüke

Mainz - Den Fünf-Jahres-Rhythmus ist Doris Ahnen (SPD) gewöhnt. Immer wenn der Mai nahte, stand für die rheinland-pfälzische Bildungsministerin ein neuer politischer Karrieresprung an. 21. Mai 1996 – Staatssekretärin im Bildungsministerium. 18. Mai 2001 – Ernennung zur Bildungsministerin. Pünktlich zum Wonnemonat 2006 deutet sich die nächste Etappe an: Die 41-Jährige soll, so heißt es in Mainz, Kurt Beck entlasten, Landesvorsitzende der Sozialdemokraten und möglicherweise für noch größere Aufgaben aufgebaut werden.

Noch wiegelt der Landesvater ab. Es sei marginal, ob er als Landesvorsitzender oder Ministerpräsident an Parteisitzungen teilnehme, beschied er neugierige Journalisten. „Doch mit Sitzungen allein ist es nicht getan“, sagt ein guter Freund des 57-Jährigen. Anerkennend ergänzt er: „Kurt weiß, wann es zu viel wird.“ Frühzeitig werde er die personellen Weichen stellen.

Doris Ahnen gilt als enge Vertraute, manche sagen Ziehkind Becks. Auf sie könne er sich blind verlassen, soll der designierte SPD-Bundesvorsitzende in interner Runde preisgegeben haben. Darüber hinaus würde ihm mit ihrer Hilfe gelingen, was die Bundespartei mit ihm verpasst: Die Führung würde verjüngt. Ansehen genießt die gebürtige Triererin in politischen Kreisen wie auch bei den Menschen. Erstmals stellte sie sich im März bei der Landtagswahl dem Votum der Bürgerinnen und Bürger. 42,4 Prozent Zustimmung bescherten ihr das Direktmandat. Wohl auch ein Lohn für ihre Bildungspolitik. Längst gilt Rheinland-Pfalz hier als Vorreiterland. Zufriedene Eltern sind Wählerstimmen.

Die möchte Beck trotz seines verstärkten Engagements in der Bundespartei in erster Linie für „sein Land“ dauerhaft sichern. „Ich bin Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, und ich will es bleiben. Dieser Aufgabe gilt meine ganze Kraft“, verspricht er in diesen Tagen immer wieder. Woher er diese Kraft künftig noch nehmen wolle, wird er gefragt. „Durch ein gewisses Maß an Gelassenheit und klare Strukturen“, erklärt er. Dabei betont er aber auch, dass man mit seinen Kräften haushalten müsse. „Niemand macht ständig in der Zirkuskuppel Salto mortale.“

Spätestens aber 2009 müsste er dazu möglicherweise in der Lage sein – seine Kanzlerkandidatur vorausgesetzt. Die schließt er ausdrücklich nicht aus, blickt voraus und plant. Beck gilt zwar als Bauchmensch, aber auch als cleverer Stratege. Und so mutmaßen enge Vertraute, der gelernte Elektromechaniker bastele bereits seit jenem Moment, als der Ruf an die Spitze der Bundespartei gekommen ist, gedanklich am rheinland-pfälzischen SPD-Team der Zukunft. Der Gedanke, Doris Ahnen zur Ministerpräsidentin aufzubauen, liege ihm nicht fern. Der SPD-Landesvorsitz könnte eine Etappe auf dem Weg dorthin darstellen.

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