Politik : Kurz und bündig: Muslime im säkularen Rechtsstaat

Wolfgang G. Schwanitz

Vor 40 Jahren lud die Bundesrepublik Gastarbeiter ein. Unter denen, die kamen, waren auch viele Muslime. Sie lebten fortan in einem säkularen Rechtsstaat, einer Demokratie mit der ihr eigenen Trennung von Staat und Kirche. Welche Erfahrungen machten die "Gäste", welche brachten sie aus ihrer Heimat mit? Davon handelt der von Thomas Hartmann und Margret Krannich herausgegebene Sammelband. Sabiha al-Yazat zum Beispiel wundert sich über die Angst vor dem Islam. Als gäbe es keine Geschichte, keine Gegenwart. Welche Frau und welcher Mann würde schon gern seine Rolle oder die Gesellschaft nach den Vorgaben von Islamisten gestalten? Viele verwechseln doch die wenigen Fanatiker gar nicht mit ihren islamischen Nachbarn, die sie als Bereicherung ansehen. Konflikte reifen, wenn hiesige Regeln missachtet werden, wenn die Islamisten anderen Muslimen und ihrer Umwelt ihre Denkweise aufdrängen und wenn sich Demokratien als nicht wehrhaft oder unfähig erweisen, allen ihren Einwohnern gleiche Lebensumstände zu bieten. Tariq Ramadan empfiehlt, die Logik des Wettkampfes aufzugeben, aber ohne sich über den Feind zu täuschen. Welcher Feind? Gewiss, es gibt einen Wettkampf und Konflikt von Kulturen. Um Trennendes achten und Gemeinsames finden zu können, sind Unterschiede und Gefahren zu erkunden. Es schadet, dies zu verhüllen. Hier fügt das Buch Steine in das westeuropäische Mosaik.

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