Politik : Kurz und schrecklich

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Der Kanzler blieb diplomatisch. „Nicht so glücklich“, nannte Gerhard Schröder die ursprüngliche Namenswahl für das Zusatzpapier zur Agenda 2010. „Iwan“ sollte es heißen, für „Innovation, Wachstum, Arbeit, Nachhaltigkeit“. Der Kanzler hat bei dem Namen aber offenbar nicht sofort an die vier Wörter aus dem Reform Chinesischen gedacht. Viel eher dürfte ihm ein anderer Iwan in den Sinn gekommen sein, der Schreckliche nämlich. Der hieß offiziell Zar Iwan IV., regierte Russland vor mehr als 400 Jahren – und trug seinen Beinamen nicht zufällig: Unter anderem erschlug er in einem Wutanfall seinen eigenen Sohn. Mit Vorliebe folterte er unbotmäßige Untertanen grausam zu Tode. Der Name also ein Fingerzeig für aufmüpfige SPD-Linke? Offenbar nicht: „Iwan“ wurde am Montag hastig umgetauft. „Wege zu einem neuen Fortschritt“ heißt das Papier nun brav. Schröder traut der neuen Nüchternheit trotzdem nicht ganz: „Ich bin gespannt, was man aus diesen Anfangsbuchstaben machen kann.“ kg

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