Politik : Kurz vor Abpfiff

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Foto: Rückeis

AUF ZU DEN LINDEN!

Von Uli Hoeness

Was mir am Wahlkampf aufgefallen ist? Dass es keinen Wahlkampf gab! Zuerst hat die Regierungskoalition versucht, Kandidat Edmund Stoiber in die rechte Ecke zu drängen – das hat nicht geklappt. Dann hat sie versucht, Stoiber als simpel zu verunglimpfen, als jemanden, der nicht in der Lage sei, klare und zusammenhängende Sätze zu sprechen. Das hat auch nicht geklappt, wie man im Fernsehduell eindrucksvoll hat sehen können. Und Stoiber selbst? Der hat ruhig und sachlich sein Programm dargelegt und punktgenau die Fehler der Schröder-Jahre analysiert. Und das sage ich wahrlich nicht, weil Stoiber bei uns, beim FC Bayern München, Aufsichtsratsvorsitzender ist. Schröders Fehler lassen sich auch nicht durch die Vorschläge der Hartz-Kommission kaschieren. Im Gegenteil, sie sind ja dadurch erst richtig deutlich geworden: Hätte Schröder in den vergangenen vier Jahren seine Chance genutzt, hätte es einer Hartz-Kommission nicht bedurft. Sie so kurz vor der Wahl aus dem Hut zu ziehen, das ist Populismus, das nenne ich Alibi-Politik.

Und noch etwas, weil ja die neuesten Umfrageergebnisse zeigen, dass die SPD durch das Hochwasser wieder Punkte gutgemacht hat. Auch ich räume ein, dass Schröders Krisenmanagement angemessen war. Aber es kann doch wohl nicht sein, dass eine Regierung, die vier Jahre lang ihre politische Unfähigkeit unter Beweis gestellt hat, aus einer Katastrophe Nutzen zieht. Die Probleme, die uns die Koalition in ihrer Regierungszeit bereitet hat – die Schwäche des Wirtschaftsstandortes Deutschland, die hohe Arbeitslosigkeit, die Probleme des Bildungssystems und so weiter – die sind ja nicht vom Tisch. Ich fände es also verheerend, wenn sich die Flut am Ende als Glücksfall für die Koalition erweisen würde.

Der Autor ist Manager des FC Bayern München. Bis zum 22. September lesen Sie an dieser Stelle Stimmen zum Wahlkampf.

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