Politik : Kurzmeldungen

NAME

Was wäre diese Bundestagswahl ohne das Stichwort „Amerika"? In Washington fällt es an diesem warmen Spätsommertag gleich dreimal in einem Satz. Eine Mitarbeiterin des State Departments witzelt: Erst klaut ihr mit den TV-Duellen unsere Art der Kampagne, dann macht ihr unsere Irak-Politik zu eurem Wahlkampfthema, und nun versucht ihr, euer Ergebnis so spannend wie unsere letzte Präsidentschaftwahl zu machen. Doch wie auch immer der nächste deutsche Kanzler heißt: In den USA muss er dringend ein paar Scherben zusammenkleben.

Das Weiße Haus wird im „Time"-Magazin mit der Bemerkung zitiert, Schröder habe dem deutsch-amerikanischen Verhältnis „unheilbaren Schaden" zugefügt. Und weil man weiß, dass Bush ein Meister im Übelnehmen ist, sollte sich der nächste Kanzler, wenn er denn der alte bliebe, auf einen heißen Herbst gefasst machen. „Bush macht Schröder persönlich für alle anti-amerikanischen Entgleisungen im deutschen Wahlkampf verantwortlich", warnt Victorino Matus vom konservativen „Weekly Standard".

Norman Birnbaum dagegen, der Ströbele Amerikas, findet eher, dass Bush übertreibt. „Man kann doch Deutschland nicht wie Pakistan behandeln." Nur Gerald Livingston, der Doyen des Transatlantischen, vermittelt in beide Richtungen. „Das Verhältnis ist zerrüttet, aber nicht unheilbar", sagt er. Dass Bush einen solchen Streit personalisiere, sei bedauerlich. Denn Amerika müsse begreifen, dass Deutschland nicht mehr selbstverständlich ein Alliierter sei. „Wenn dieselbe Kritik an unserer Irak-Politik aus Frankreich gekommen wäre, hätte sich hier niemand aufgeregt." Malte Lehming

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben