Politik : Kurzmeldungen

NAME

„Das spricht ja nicht gerade für euer Wahlsystem", meinte Adam Boulton, Politikchef des Nachrichtensenders „Sky News“, auf der Wahlparty der Londoner Botschaft im Goethe-Institut. Man musste den englischen Gästen bei Wurst und deutschem Bier die Feinheiten von Kanzlerwahl, Koalitionsbildung und Überhangmandaten erst einmal erklären, aber auch dann schien das vielen noch nicht geheuer. New-Labour-Schlachtross Peter Mandelson, der auf dem Weg ins Kino vorbeischaute, freute sich nach den ersten Hochrechnungen schon über die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit zwischen Tony Blair und Gerhard Schröder, auf die Blair offensichtlich so baut. „Da werden sich die engen Beziehungen unserer beiden Länder fortsetzen. Politisch gibt es zwischen Blair und Schröder eben mehr Nähe als zwischen Blair und Stoiber". Auch wenn es, wie er dann einräumt, in der Irak-Politik „leichte Unterschiede" gibt. Wenn es aber anders ausgeht? „Sollte Stoiber übernehmen, werden wir die Beziehung neu aufbauen, so wie das Blair und George Bush getan haben. Auf dieser Ebene der Politik ist man pragmatisch."

Auch Professor Anthony Giddens, Vordenker des Dritten Weges, machte aus seinen sozialdemokratischen Sympathien kein Geheimnis, kommentierte aber sehr nachdenklich: „Ganz Europa braucht ein starkes Deutschland mit einer flexibleren Arbeitsmarktpolitik und einer hohen Beschäftigung. Diese Reformen sind in Deutschland sehr schwierig." Werden knappe Mehrheiten eine neue Regierung nicht noch reformscheuer machen? „Das muss nicht sein. Das sehen wir doch in den USA, wo es auch so ein knappes Ergebnis gab. Und man kann ja nicht sagen, dass Bush eine schwache Regierung führt." Matthias Thibaut

0 Kommentare

Neuester Kommentar