Politik : Kurzmeldungen

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Die Wahlen in Deutschland waren am Sonntagabend in Moskau kein Thema: Das Kopf-an-Kopf-Rennen interessierte lediglich die Experten. In den Politikmagazinen der überregionalen TV-Sender gab es zwar kurze Beiträge über den Wahltag in Deutschland, doch selbst die russischen Nachrichtenagenturen meldeten nicht einmal die Trends. Als Berlin mit genaueren Ergebnissen aufwarten konnte, war es in Moskau bereits tiefe Nacht.

Das knappe Ergebnis, meint Professor Jakow Drabkin, Deutschland-Experte vom Institut für allgemeine Geschichte der russischen Akademie der Wissenschaften, habe gezeigt, dass Flutkatastrophe und Irak Bundeskanzler Gerhard Schröder nur kurzzeitig und zu spät Entlastung verschafften. Zu lange habe sich der Wahlkampf der SPD auf Themen wie die Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftskrise konzentriert. Schröder, so Drabkin, habe das offenbar selbst begriffen und auf der Zielgeraden die einzig richtige Entscheidung getroffen: Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wurde auf ein „künstliches“ Thema fokussiert – auf den Irak. Im Wahlkampf konnten sich viele Ressentiments entladen, so Drabkin, die zur Zeit des Kalten Krieges niemand öffentlich thematisiert hätte – vor allem Washingtons aggressive Außenpolitik. Elke Windisch

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