Politik : Kurzmeldungen

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Bildung und Wissenschaft

Detlef Ganten

Macht die nächste Regierung Deutschland zu einem Spitzenstandort für Forschung und Wissenschaft?

Ich befürchte nein. Das haben wir in den letzten vier Jahren nicht geschafft. Das heißt, wenn es Rot-Grün bleibt, erwarte ich keine grundsätzlichen Änderungen. Wir haben in den letzten Jahren zu viele Kompromisse gemacht, was die Finanzierung und Strukturen für die Wissenschaft betrifft – insbesondere, was die Einstellung zu modernen Entwicklungen in den Lebenswissenschaften und auch Fortschritte in der Internationalisierung angeht. Bei Schwarz-Gelb: Ich befürchte, da wird es keine deutlichen Unterschiede geben; zumindest haben die Wahlprogramme und -kampagnen hierfür keinen Anhalt gegeben. Was wir unbedingt brauchen in Deutschland, ist die Einsicht, dass Interdisziplinarität nicht nur in der Wissenschaft wichtig ist, sondern dass auch in der Politik die Ressorts beziehungsweise Ministerien besser zusammenarbeiten müssen. Es gibt eine direkte Verbindung von Bildung, von Wissenschaft und Forschung, von wirtschaftlicher Entwicklung, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Internationalisierung des Landes. Nur wenn es die Politik versteht, diese Einzelfaktoren als eine Gesamtheit zu sehen, werden wir Deutschland zu einem Spitzenplatz der Forschung machen können. Und dann wird automatisch auch die Bereitschaft wachsen, für diese Gesamtentwicklung ausreichend Geld einzusetzen und moderne Strukturen zu schaffen.

Welchen Wert hat nach dieser Legislaturperiode ein deutscher Studienabschluss in Europa?

Die Ausbildung an den deutschen Universitäten und damit die Abschlüsse sind in fast allen Bereichen gut. Und insofern denke ich, würden wir bei einer Überprüfung der Universitätsabschlüsse kein Desaster erleben, wie wir es bei den Schulabschlüssen gesehen haben. Meine große Sorge ist, dass keine der Alternativen sich zu grundlegenden Änderungen durchringen könnte.

Werden unsere Kinder in vier Jahren beim Pisa-Test besser abschneiden?

Bildung ist eine langfristige Aufgabe. Die Geschwindigkeit und die Energie, mit denen dieses Thema aufgegriffen wird und neue Strukturen und Inhalte eingeführt werden, macht mich nicht hoffnungsfroh, dass unsere Kinder in den nächsten vier Jahren von der Analyse von Pisa und den Konsequenzen in Deutschland schon profitieren werden. Es geht alles viel zu langsam und unentschlossen.

Detlef Ganten ist Wissenschaftlicher Direktor des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin-Buch.

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