Politik : Kurzmeldungen

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Manch deutscher Estlandreisende mag sich erstaunt die Ohren reiben, sollte er auf eine feuchtfröhliche Feier eingeladen werden. Denn wenn die Esten ihr Lieblingslied anstimmen, dann klingt’s auf einmal bayerisch. Die Melodie ist leicht zu erkennen: „In München steht ein Hofbräuhaus“. Der Text, den die Esten darauf gedichtet haben, unterscheidet sich wenig vom süddeutschen Original. Besungen wird der „Fröhliche Bierbrauer“. Wegen des Jahrhunderte währenden Einflusses der DeutschBalten sind viele deutsche Lieder Teil der Sangeskultur des Landes geworden, mit neuem estnischen Text, versteht sich. Deshalb erinnert sich meist niemand mehr an den Ursprung der Lieder. Neben fröhlichen Volksweisen haben im „Land der tausend Stimmen“ auch einige patriotische Lieder große Bedeutung, vor allem „Mein Vaterland ist meine Liebe“. Dieses getragene Stück wurde in der Sowjetzeit zur inoffiziellen Nationalhymne Estlands. Obwohl es offiziell verboten war, wurde es immer wieder von den Teilnehmern des traditionellen jährlichen Sängerfestes angestimmt. So auch 1988. Damals kamen 300 000 Menschen zum Festplatz nahe Tallinn – der Beginn der „singenden Revolution“ und letztlich Estlands Unabhängigkeit.

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