Politik : Kurzmeldungen

-

Die Kornblume ist in Estland ein Superstar, gecastet in einer Fernsehshow. Schon 1967 hatte die Estnische Naturschutzgesellschaft die Wahl einer Nationalblume initiiert. Die Kornblume setzte sich mühelos durch. Während sie früher von den anderen Bauern Europas wegen ihrer Widerspenstigkeit verwünscht wurde, hatte sie in Estland ein traditionell gutes Image. Die Esten freuten sich lieber, dass die Blaublüher sprossen. Denn das bedeutete, dass ihre Roggenfelder gediehen, der Lebensraum der Kornblume, und dass das tägliche Brot gesichert war. In Kunst und Kitsch taucht die Wildblume immer wieder auf, und auch das Blau der Nationalflagge ist ein „KornblumenBlau“. Das gab der Wahl zur Nationalblume auch eine politische Bedeutung. Denn alle Symbole nationaler Eigenständigkeit waren in der Sowjetunion verboten. Wie schon für die Bauern früherer Jahrhunderte wurde die Kornblume also wieder zum Zeichen der Hoffnung, die aber noch jahrzehntelang unterdrückt werden sollte: Bei der Hundertjahrfeier des estnischen Sängerfestes 1969 ordneten die sowjetischen Behörden kurzerhand an, alle Kornblumen rot anzustreichen und als sozialistische Nelken auszugeben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben