Politik : Kurzmeldungen

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Sie ist durchaus schön anzusehen, die Mohnblume. Ein leuchtend roter Tupfer in goldgelben Feldern. Doch die Polen können sich an ihr nicht unbeschwert erfreuen, ihr Rot symbolisiert für sie das Blut gefallener Kämpfer. Nicht nur die Polen hatten diese Assoziation. Als Napoleon Europa eroberte, verbreitete sich in vielen Ländern dieses Sinnbild, vermutlich weil die Mohnblume auf vielen Schlachtfeldern des ganzen Kontinents zu finden war. Auch an Gedenktagen der Alliierten des Ersten Weltkrieges werden heute immer noch Mohnblumen getragen. In Polen mit seiner oft tragisch verlaufenen Geschichte und mit Rot als einer der beiden Nationalfarben - lebt das Symbol in besonderer Weise fort. Neue Nahrung bekam es im Zweiten Weltkrieg. Im Mai 1944 tobte die strategisch wichtige Schlacht am Monte Cassino südlich von Rom. In der entscheidenden Phase kamen polnische Soldaten zum Einsatz, sie eroberten den Berg. Noch am selben Tag schrieben Alfred Schutz und Feliks Konarski das Lied „Rote Mohnblumen auf Monte Cassino" für die rund tausend polnischen Gefallenen. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem EU-Beitritt haben die Polen nun die Hoffnung, die Schönheit der Mohnblume endlich ohne Hintergedanken genießen zu können – es sei denn, mit dem an ihren Mohnkuchen.

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