Politik : Kurzmeldungen

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Was den Deutschen der Jägermeister, ist den Letten Rigas Melnais Balzams, der schwarze Balsam. Wobei – schon diesen Vergleich würden die meisten Einwohner der Baltenrepublik wohl empört zurückweisen. Denn für sie verknüpft der schwarze Balsam einzigartig Tradition und Kult. 1752 rührte der Apotheker Kunze aus Riga erstmals das Getränk an, angeblich 34 Zutaten gehören dazu. Auf dem Flaschenetikett ist von Kräutern, Blüten, Ölen und Beeren die Rede. Die genaue Rezeptur ist geheim, das hat der schwarze Balsam mit Coca Cola gemein. Ansonsten ist nur die Farbe ähnlich. Der schwarze Balsam ist ein Kräuterlikör mit 45 Prozent Alkohol und von rätselhaftem Geschmack. Er steht in Lettland in jedem Lokal auf der Karte. Krititiker vergleichen die Konsistenz mit baltischem Teeröl – doch schon nach dem zweiten Glas stellt sich ein Gewöhnungseffekt ein. In Lettlands Hauptstadt gibt es sogar ein nach dem Rigaer Balsam benanntes Szenelokal, in dem der Wirt schwarz angehauchte Cocktails als Kultgetränke anbietet und auch mit der Spirituose kocht. Zu Zeiten der Sowjetunion war der in einer braunen Steingutflasche verkaufte Balsam ein Exportschlager, das Flaschenetikett zieren noch heute Medaillen von Landwirtschaftsmessen aus Vilnius, Minsk und Leipzig, der Ruf des Likörs reichte bis Duschanbe und Wladiwostok. In russischen Geschäften in Berlin und anderen deutschen Städten, die Einwanderer aus dem Osten versorgen, erinnert man sich gern daran: Der schwarze Balsam ist dort meist längst wieder im Sortiment.

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