Politik : Kurzmeldungen

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Jedes Land hat seine Volkslieder, die lettischen Dainas jedoch haben ein ganz eigenes Charakteristikum: ihre strenge poetische Form. Kurze Verse bilden ein zumeist vierzeiliges Lied. Es kann eine Beobachtung ausdrücken, eine Erkenntnis, eine Belehrung oder ein Gefühl. Eine erzählerische Handlung hingegen haben sie nicht. Beim Singen werden sie eher assoziativ miteinander verbunden, rund um ein Thema zum Beispiel. Oder sie begleiten jeweils eine bestimmte Handlung eines Rituals. Vor allem für die Hochzeit und für das Johannisfest gibt es eine Menge Dainas. Auch die Melodien sind recht zurückhaltend, sie bestehen aus einer sehr begrenzten Anzahl von Tönen. Häufig gibt es viele Texte, die auf eine Melodie passen. Dainas wurden zumeist von Frauen gesungen, deshalb kennen die Letten keine Volkslieder, die den Krieg oder Alkohol verherrlichen. Auch Klagelieder gibt es nicht, das Singen soll das emotionale Gleichgewicht wieder herstellen. Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Letten, ihre Volkslieder zu sammeln. Die Dainas wurden zum wichtigsten Beweis einer nationalen Kultur. Sage und schreibe 1,2 Millionen Texte sind heute bekannt und im berühmtesten Schrank des Landes, dem Dainas skapis, archiviert.

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