Labour-Parteitag : Blair lässt Brown im Regen stehen

Finanzminister Brown wurde vor dem Parteitag der englischen Labour-Party von Premierminister Tony Blair nicht als Nachfolger für sein Amt unterstützt. Damit ist der Kampf um die Nachfolge Blairs offener denn je.

Manchester - Der britische Premierminister Tony Blair hat kurz vor Beginn des letzten Labour-Parteitags, an dem er als Partei- und Regierungschef teilnimmt, eine klare Unterstützung für seinen wahrscheinlichen Nachfolger vermieden. In einem Interview des Senders BBC beschränkte er sich darauf, Gordon Brown als "fantastischen Finanzminister" zu bezeichnen, der seinem Land und der Partei "sehr gut gedient" habe. Auf dem am Nachmittag beginnenden Parteitag sollten sich die Delegierten auf den künftigen Kurs von Labour konzentrieren und dafür sorgen, den Rückstand in den Umfragen gegenüber der oppositionellen Konservativen Partei zu überwinden.

Brown versuchte unterdessen, seinen Anspruch auf die Blair-Nachfolge zu untermauern. In der "Sunday Times" sprach er sich dafür aus, Politik gegenüber Parlament und Bevölkerung künftig transparenter zu gestalten. Im Sender Sky News erteilte er in deutlicher Abgrenzung zu Blair einer stärkeren Beteiligung des Privatsektors am Gesundheitssystem eine Absage.

Zu dem Parteitag versammelten sich etwa 12.000 Delegierte in der nordwestenglischen Stadt Manchester. Am Montag sollte zunächst Brown und am Dienstag Blair sprechen. Die Nachfolgefrage wird aller Voraussicht nach das beherrschende Thema des fünftägigen Parteitags sein.

Zehntausende protestieren gegen Außenpolitik

Am Samstag protestierten rund 10.000 Kriegsgegner gegen die Politik der Regierung im Irak, in Afghanistan und Nahost. Sie forderten einen sofortigen Abzug der britischen Truppen aus Afghanistan und dem Irak sowie mehr Unterstützung für die palästinensischen Positionen in Nahost. Viele Demonstranten schwenkten Plakate mit der Aufschrift "Time to go" (Es ist Zeit zu gehen), womit sie einen Abzug der britischen Truppen meinten.

Andere forderten unter Trommelschlägen und Pfeifen Blairs sofortigen Rücktritt und eine Untersuchung seiner Rolle bei der Rechtfertigung des Irakkrieges. Blair hatte Anfang September angekündigt, im kommenden Jahr sein Amt niederlegen zu wollen. (tso/AFP)

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