Politik : Ladenhüter PDS

Jetzt liegt die Partei auch noch mit ihrer Werbeagentur im Clinch

Matthias Meisner

Sie galten als die „Cool-Macher“. Die PDS sollten sie verkaufen, womöglich ein bisschen jünger, frecher und dynamischer als sie wirklich ist – die Werber der Agentur Trialon in Berlin-Pankow. Doch jetzt kommt der dümpelnden Sozialistenpartei nach der Niederlage bei der Bundestagswahl und dem Geraer Parteitag drei Wochen darauf wohl auch noch die Werbeagentur abhanden. Vor wenigen Tagen hat der PDS-Parteivorstand nach einer Debatte im Vorstand die Leistungen der Kampagne für den Europawahlkampf ausgeschrieben. Das ist insofern bemerkenswert, weil es seit Jahren selbstverständlich ist, dass die Agentur Trialon die Federführung in fast allen zentralen Wahlkämpfen hat – ob nun im Bund, in Ost-Ländern oder zur Europawahl. Auch die Kampagne 2001 zur Berliner Abgeordnetenhauswahl, mit der Gregor Gysi ins Amt des Wirtschaftssenators gehievt wurde, geht mit auf das Erfolgskonto von Trialon.

Doch seit Herbst verschlechterte sich das Verhältnis zwischen der neuen PDS-Führung und den Werbeleuten. PDS-Sprecher Gerd Kurze bestätigt, dass es in den Auswertungssitzungen nach der verlorenen Wahl „von beiden Seiten kritische und selbstkritische Äußerungen“ gegeben habe. Zum Ende 2002 sei der Vertrag mit der Agentur nun erst einmal ausgelaufen. Selbstverständlich könne sich Trialon auch um den neuen Auftrag zur Europawahl 2004 bewerben, beteuert Kurze.

Doch ob sich Trialon überhaupt am „Interessenbekundungsverfahren“ beteiligt, ist nach Angaben von Geschäftsführer Reiner Strutz offen: „Wir sind noch am Überlegen.“ Der Werbemann ist hin- und hergerissen. Einerseits hängt er an der PDS als seinem wichtigsten Kunden, andererseits zweifelt er mehr und mehr an den Chancen der Partei unter ihrer neuen Führung. Der zurückliegende Bundestagswahlkampf hat Strutz ernüchtert: „Die PDS hatte im Sinne von Gebrauchswert nichts anzubieten.“ Die personelle Aufstellung im Herbst 2002 bezeichnet er als „unglücklich und falsch“. Zur Kritik an fehlenden Ideen seiner Agentur sagt Strutz: „Werberische Innovation setzt politische Innovation voraus. Und die war nicht da.“

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