Politik : Länder bleiben im Streit um zweiten Berufsschultag hart

Ministerpräsidenten und Kohl beraten über Maßnahmen gegen Lehrstellenmisere / Für flexibleren Unterricht BONN (rtr/dpa/sks).Die Ministerpräsidenten der Länder haben die Pläne der Bundesregierung zur Abschaffung des zweiten Berufsschultags mit großer Mehrheit abgelehnt.Vertreter der unions- und der SPD-regierten Länder erklärten am Donnerstag, die Pläne von Bildungsminister Rüttgers (CDU) seien zu pauschal und zu wenig flexibel.Bei einem Treffen der Regierungschefs mit Bundeskanzler Kohl (CDU) sollte über die Misere auf dem Lehrstellenmarkt beraten werden. Baden-Württembergs Ministerpräsident Teufel (CDU) sagte nach Gespräch mit seinen 15 Amtskollegen in Bonn, er sei strikt gegen Rüttgers Vorschlag, den Schulbesuch nach dem ersten Lehrjahr auf einen Tag zu beschränken.Auch sein rheinland-pfälzischer Amtskollege Beck (SPD) erklärte, es mache keinen Sinn, Pauschallösungen "in die Welt zu blasen".Niedersachsens Regierungschef Schröder (SPD) sagte dagegen, seine Regierung habe sehr gute Erfahrungen mit dem Wegfall des zweiten Berufsschultags gemacht.Es gehe nicht darum, insgesamt weniger Unterricht zu erteilen, sondern um eine andere Organisation der Schulzeiten. Laut einem gemeinsamen Maßnahmekatalog, den die Regierungschefs von Bund und Länder zur Bekämpfung der Lehrstellenkrise vorlegten, soll der Berufsschulunterricht flexibler organisiert werden, damit die Jugendlichen länger im Betrieb sind.Getestet werden sollen Chipkarten für Schulabgänger, um eine Blockade der knappen Lehrstellen durch Mehrfachbewerbungen zu vermeiden.Insgesamt soll die Ausbildung betriebsnäher gestaltet und Ausbildungsordnungen für neue Berufe schneller verabschiedet werden.Streit gab es um eine vom Bund gewünschte Formulierung in dem Katalog, nachdem auf die Tarifpartner eingewirkt werden soll, durch Einfrieren oder Absenken von Lehrlingslöhnen zusätzlich mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Die Gewerkschaften warnten eindringlich Bund und Länder vor Qualitätsabstrichen in der Berufsausbildung.Zukunftsweisende Berufe benötigten ausreichend theoretische Unterweisung.In Bonn demonstrierten mehrere hundert Jugendliche. Schröder und der Düsseldorfer Wirtschaftsminister Clement wandten sich erneut gegen den Beschluß ihrer eigenen Partei vom November 1996, ausbildungsunwillige Betriebe mit einer Abgabe zu belegen.Die SPD hatte beschlossen: "Alle Betriebe und Schröder äußerte die Befürchtung, daß sich Betriebe der Ausbildung freiwillig entziehen könnten, wenn sie die Chance erhielten, sich "freizukaufen".

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