Politik : Länderminister gegen Förderung von Elite-Unis

Wissenschaftsrat will Akademie der Wissenschaften

Uwe Schlicht

Berlin. Die Wissenschaftsminister der Bundesländer lehnen übereinstimmend den Vorschlag von Bundeswissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) ab, einige wenige Universitäten zu Elite-Universitäten zu entwickeln. Dies haben die Sprecher der Bundesländer im Wissenschaftsrat, Jürgen Zöllner (SPD) aus Rheinland-Pfalz und Jürgen Schreier (CDU), Wissenschaftsminister des Saarlandes, in Berlin bekannt gegeben. Die Bundesländer wollen auf der Grundlage eines eigenen Konzepts, das Zöllner und Schreier ausgearbeitet haben, im März einen Alternativplan vorstellen.

Es soll keine Elite-Universitäten auf Kosten der gesamten Hochschullandschaft geben. Stattdessen soll ein „Netzwerk der Exzellenz“ entstehen, das auf jenen besonders leistungsfähigen Bereichen aufbaut, die sich an einer Reihe von Hochschulen entwickelt haben. Für das Netzwerk sollten folgende Kriterien maßgeblich sein: In der Lehre werden die Bereiche kenntlich gemacht, die „überdurchschnittlich gut sind“ – hohe Absolventenzahlen in der Regelstudienzeit gelten beispielsweise als Gütekriterium. In der Nachwuchsförderung können Graduiertenkollegs zur Betreuung der Doktoranden zu stark forschungsorientierten Graduiertenschulen ausgebaut werden. Die Spitzenforschung, die schon durch Sonderforschungsbereiche gefördert wird, soll entsprechend dem vorgelegten Konzept zu „Exzellenzclustern“ wachsen. In diesen Gruppen müssten die Universitäten mit außeruniversitären Forschungsinstituten kooperieren. Wenn man diese Spitzenbereiche miteinander verknüpfe, könne ein Exzellenznetzwerk sichtbar werden, so die Schlussfolgerung. Über die Aufnahme in das Netzwerk entscheide der Wettbewerb.

Zudem hat sich der Wissenschaftsrat grundsätzlich für die Gründung einer nationalen Akademie der Wissenschaften ausgesprochen. Sie soll die deutsche Wissenschaft im Ausland vertreten sowie Politiker und die Gesellschaft in wichtigen Bereichen beraten. Die großen Wissenschaftsorganisationen werden aufgefordert, ein Konzept zu entwickeln. Damit die Empfehlung nicht am Kompetenzstreit scheitert, verzichtete der Wissenschaftsrat darauf, als Träger eine gemeinsame Stiftung von Bund und Ländern vorzuschlagen.

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