Politik : Lafontaine nennt Fusion von WASG und PDS alternativlos

Matthias Meisner

Berlin - „Wir sind keine Partei, bei der man von oben nach unten einfach durchstellt.“ Thomas Händel, Chef der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG), sagt das fast entschuldigend, nachdem die PDS mal wieder ermahnt hatte, das Projekt einer gemeinsamen Linkspartei nicht zu gefährden. Fast entschuldigend fügt er hinzu, schließlich handele es sich bei der WASG um eine „junge linke Partei mit entsprechend großem Diskussions- und Klärungsbedarf“.

Eine weitere Kostprobe dafür werden die linken Parteienmacher an diesem Sonntag liefern. Die WASG-Bundesspitze hat die Landesvorstände nach Berlin zur Krisensitzung geladen. Sie will dort ihren Störenfrieden, die den Weg zur Fusion nicht mitgehen wollen, die Leviten lesen. Die Ansage von Oskar Lafontaine ist klar. Der mit Abstand bekannteste WASG-Politiker sieht zum Zusammenschluss der beiden Parteien bis 2007 keine Alternative. Er sagt lakonisch: „Wer den Weg nicht mitgeht, hat die Möglichkeit, eine eigene Partei zu bilden.“ Mit ähnlich drängendem Tenor mahnt auch PDS-Chef Lothar Bisky, die Linke dürfe nicht weiter „Zeit mit der eigenen Beschäftigung verplempern“.

Den Segen für den Fusionskurs will sich die WASG-Führung nun per Urabstimmung unter allen rund 12 000 Mitgliedern holen – nervenden Debatten auf dem erst Ende April geplanten Parteitag geht sie so aus dem Weg. Die Spitzenleute sind zuversichtlich, eine klare Mehrheit zu bekommen. Ob so tatsächlich anschließend alle Kritiker ins Abseits gestellt werden können, muss sich noch zeigen. Denn von Berlin aus, wo die WASG den Kurs der rot-roten Landesregierung attackiert, hat sich der Spaltpilz in weite Teile der Republik verbreitet.

In einer internen Zwischenbilanz listete die PDS kürzlich auf, in welchen Ländern die Zusammenarbeit mit der WASG reibungslos läuft. Laut „Neuem Deutschland“ sieht es demnach in gerademal der Hälfte aller Bundesländer „gar nicht so schlecht“ aus. Doch vor allem in Ländern, in denen noch in diesem Jahr Wahlen anstehen, gibt es erhebliche Probleme. Der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Ulrich Maurer versicherte der „taz“ dennoch, er halte die Probleme für „aufgebauscht“. Heimweh nach der SPD habe er nicht: „Da arbeite ich doch lieber mit Idealisten, auch wenn es noch so chaotisch ist.“

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